Dream Nails
YOU WISH
Marshall/Bertus (VÖ: 6.2.)
Nostalgischer Alternative-Rock, der dann doch noch die Kurve ins Jetzt kriegt.
Das Londoner Trio Dream Nails verrührt auf YOU WISH queer-feministischen Punk mit deutlichen 90ies-Anleihen und transportiert diesen Mix dank knackiger Hooks und viel Wumms souverän in die 2020er. Ihr drittes Album eröffnet mit „The Only Way Out Is Through“ mit Achtelgitarre und rollendem Bass – und nach nur einer Minute: ein Solo!
Das erinnert, ebenso wie der starke Folgetrack „This Is Water“, an eine klasse Mischung aus Breeders und Sleater-Kinney. Auch weiteren Bekannten aus den 90ern wie Soundgarden oder Alice in Chains begegnet man, allerdings kippen manche Songs doch arg ins Repetitive. Die Energie, die gerade zu Beginn aufblitzt, kann die Band nicht durchgehend halten. Denn am überzeugendsten klingen Dream Nails, wenn sie einfach drauflosrumpeln und loslassen.
Die poppigeren Nummern wie „Zero“ oder „Sign“ sind zwar gefällig, verhallen jedoch relativ schnell. Dennoch hält beinahe jeder Song einen kleinen Aha Moment bereit – sei es ein unerwartetes Gitarrensolo (wie im Opener), ein wütender Aufschrei („SHUT UP!“) oder ein zeitlos schöner Basslauf. YOU WISH ist also was für Menschen, die früher mit zerschlissenen Klamotten und zu großen Boots in die Indie-Disco geschlurft sind. Ein Album, das Nostalgie weckt und doch fest im Jetzt verankert ist.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



