Ennio Morricone The Hateful Eight


Decca/Universal

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Dieser Soundtrack hat ein paar Premieren zu bieten: Zum ersten Mal wird ein Film von Quentin Tarantino nicht hauptsächlich von kompilierten Lieblingsliedern des Regisseurs untermalt. Zum ersten Mal geht ein lange gehegter Wunsch Tarantinos in Erfüllung: Der legendäre Ennio Morricone hat den Score für einen seiner Filme geschrieben. Und der 87-Jährige hat damit zum ersten Mal seit 34 Jahren wieder die Musik zu einem Western geschrieben.

Dass nicht alles auf THE HATEFUL EIGHT ganz neu ist, hat der Maestro vor Kurzem in einem Interview verraten. Große Teile des Scores stammen aus unveröffentlichten Kompositionen für John Carpenters „The Thing“ aus dem Jahr 1982, die damals nicht aufgenommen wurden. Es ist Orchestermusik von einer permanenten Spannung. Sie erinnert manchmal an die Arbeiten Bernard Herrmanns für Alfred Hitchcock, aber auch an die protomodernistischen Verschlingungen des späten Claude Debussy, manchmal zitiert Morricone selbstironisch die Stakkato-Männerchöre aus seinen frühen Italo-Western, aber selten wagt sich der Komponist in das tonale Abenteuerland, das er mit seinen Soundtracks für italienische Giallo-Filme in den 1960ern und 1970ern betreten hat. Wie üblich nervt Tarantino mit Dialogsequenzen aus dem Film auf dem Soundtrack.

Zusätzlich gibt es „Apple Blossom“ von The White Stripes, „There Won’t Be Many Coming Home“ von Roy Orbison und „Now You’re Alone“ von David Hess aus Wes Cravens Horrorklassiker „The Last House On The Left“ zu hören – auch diese Fremdkörper zerstören die Illusion vom „reinen“ Morricone-Score.


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