Erasure World Beyond


Mute/Rough Trade

Selbst in der an hässlichen Covers nicht armen Geschichte von Erasure nimmt das Artwork von WORLD BEYOND einen Ehrenplatz ein. Aber auch sonst sticht dieses Album heraus aus der langen Geschichte des britischen Duos, haben Andy Bell und Vince Clarke doch alle Songs ihres 16. Albums WORLD BE GONE aus dem Vorjahr neu interpretiert.

Allerdings haben sie nicht wie üblich Remixe anfertigen lassen, sondern – man gönnt sich ja sonst nichts – das Brüsseler Echo Collective beauftragt, den zehn Stücken ein klassisches Gewand anzuziehen. Das bedeutet also: Keine pumpenden EBM-Beats mehr, keine dunklen Sound­scapes und vor allem keine gemeingefährlich eingängig piepsenden Synthie-Melodien, das Markenzeichen von Clarke seit seinen Tagen bei Depeche Mode und Yazoo.

Stattdessen: Sehnsüchtige Cello-Schlieren, geschmackvolle Klavierklimpereien und im Hintergrund meldet sich das Glockenspiel. Wer jetzt vermutet, Erasure würden versuchen, auf den aktuell fahrenden Neoklassik-Zug aufspringen zu wollen, liegt falsch. WORLD BEYOND ist eher der altmodische Versuch, den eigenen Songs mit einer Überdosis Streicher eine Hochkultur-Reputation zu verschaffen. Aber weil die Vorlagen schon im Original Balladen waren und das typische Erasure-Pathos nun dermaßen überhöht wird, dass man getrost eine feine Ironie unterstellen darf, kann man sich den überbordenden Schmalz tatsächlich gut anhören.


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