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Faye Webster I Know I’m Funny Haha


Secretly/Cargo (VÖ: 25.6.)

von

Dass Faye Webster witzig ist, wussten wir schon von ihren bisherigen LP-Covern. Da räkelt sie sich im Stil eines Models für ein schwedisches Einrichtungshaus auf einer Holzbank, sitzt auf einem Fahrrad mit grotesk überdimensioniertem Lenker oder stopft sich auf dem Sleeve des Albums ATLANTA MILLIONAIRES CLUB Goldtaler in einen vor Schokolade triefenden Schlund.

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Dass die Singer/Songwriterin auf dem Cover ihrer vierten Platte I KNOW I’M FUNNY HAHA nun aussieht, als sei das Internet kurz vorm „Bridgerton“-Staffelfinale ausgefallen, ist Teil des Deals: Ohne Ironie keine Faye Webster. Jedoch hört man das der Musik gar nicht an. Die Künstlerin aus Atlanta versteht sich auf überaus geschmackvolle R’n’B-Americana-Musik, die sich gar nicht entscheiden mag, was denn nun wichtiger ist, der Groove oder die Melodie.

Diese Mischung kommt bei den Leuten glänzend an, Barack Obama zum Beispiel ist Fan und packte das Stück „Better Distractions“ auf seine Jahres-Playlist für 2020. Den Song hatte Faye Webster schon im vergangenen Jahr als Single veröffentlicht, auf dem Album dient er als Einstieg und erfüllt seinen Job: Das Stück handelt von der Phase einer Beziehung, wenn sich nach dem kribbeligen Anfang die Momente entwickeln, in denen man das Gegenüber unfassbar vermisst, wenn es mal nicht da ist.

Das Lied gibt den entscheidenden Fingerzeig: Handelten die ersten Alben von Faye Webster vom Single-Leben, ist I KNOW I’M FUNNY HAHA eine Beziehungsplatte. Wenn es ums Heulen geht, dann um Tränen „In A Good Way“. „Overslept“ ist eine passend schluffige Hymne an das gemeinsame Verschlafen, und Faye Webster klingt nicht nur hier wie das jüngere, weibliche Update des Country-Soul, den Lambchop vor vielen Jahren erfunden haben.


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