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Fishbach À Ta Merci


Columbia/Sony

von

Gedankenübertragung und eine Frage: Warum musste ich beim Fishbach-Video zu „Mortel“ an Angel Olsen denken? Vielleicht, weil die Chanteuse aus Dieppe in Frankreich es ganz ähnlich der US-Songwriterin schafft, uns die dunklen, verstörenden Geschichten ganz subkutan zu verabreichen, während draußen an der Oberfläche der Glamour punktet. Angel Olsen hat auch schon große Begeisterung für Fishbach in den ihr eigenen Worten geäußert: „Ich bin ja gut darin, viele Dinge zu hassen, aber diese Frau hasse ich wirklich nicht.“

À TA MERCI ist Angel Olsen und allen Eingeweihten bekannt, das Album wurde bereits vor gut einem Jahr in Frankreich veröffentlicht, dort ist Flora Fishbach bereits ein Stern am Himmel für Pop-Hoffnungen. Die 19 Songs (davon fünf Liveaufnahmen aus dem Pariser „Bataclan“) sind fast durchgehend catchy, sie spielen das Pop-Theater ganz nach vorne und hinterlassen doch ein Gefühl für ein spukiges Dahinter. Dahinter steht auf breiter Front auch der Synthie-Pop der 80er, den die 25-Jährige mit Inbrunst und einer kräftigen, manchmal kratzigen Stimme umgarnt. Man denkt dabei etwa an die Französin Guesch Patti, auch an die Kanadierin Mylène Farmer, an denen sich in den Nullerjahren schon La Roux abgearbeitet hatte.

Aber À TA MERCI wäre nur eine kleine mysteriöse Reminiszenz für das frankophone Publikum, würden viele dieser Songs nicht durch die verwinkelten Hall- und Klang­räume aus Fishbachs Fantasien in die Gegenwart zischen, elektronisch pluckernd, von querlaufenden Synthesizern und Pfeiftönen begleitet. Da reichen die Assoziationen auch bis in Prä-Punk-Zeiten zurück, als Elektronik von Frauen als Avantgarde galt.

Fishbach – A ta merci (Live au Bataclan 2017) (Audio) auf YouTube ansehen

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