Friedrich Sunlight  Sag es erst morgen 


Tapete/Indigo (VÖ: 28.6.) 

Die Welt von Friedrich Sunlight kann vor süßlicher Niedlichkeit zerplatzen: Ein Kosmos aus Vinylplatten, Tee und Gin, eine popkulturelle Illusion, in der die kalte Wahrheit stört. Aber sie ist ja nun mal da, die Welt der Tatsachen. Donald Trump ist Präsident, mit Popmusik lässt sich kein Geld mehr verdienen und – ja, so ist das eben – Friedrich- Sunlight-Sänger Kenji verlässt Augsburg, die unwahrscheinliche Heimat dieser grandiosen Sunshine-Pop-Band, und folgt der Liebe seines Lebens, die in Glasgow an der Uni unterrichtet.

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Glasgow ist ein fantastischer Ort für diesen Sänger und Songwriter, der als Junge mit seiner Familie aus Japan nach Kalifornien siedelte, wo er die Sonne und den Pop aufsog. Später führte ihn der Weg nach Augsburg, fand die Musiker für diese Gruppe: Bestens informierte Kerle, die von den Zombies noch die letzte B-Seite kennen und Manfred Krug nicht mit „Tatort“ und Telekom in Verbindung bringen, sondern mit seinen Platten.

SAG ES ERST MORGEN ist das zweite Album dieser Band, vielleicht ist es auch ihr letztes. Jede Wette, dass sich Kenji sehr schwer getan hat, seinen Freunden aus der Gruppe den Weggang zu beichten. Zuckersüß ist der Sophisticated-Pop bei Songs wie „Was will man noch mehr?“ mit Flöte und Jazz-Parts oder „Mit dir“, bei dem die Easy-Listening-Popper The Free Design Pate standen. Fast verrückt wird man von der Perfektion des Arrangements von „Radikal und chic“, da werden selbst Belle & Sebastian neidisch.

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Und es ist verdammt clever, gegen Trump anzusingen, indem man dem Weißen Haus eine Stimme gibt und die Immobilie sagen lässt, dieser Typ mit Bademantel solle sich bitte schnellstens ein anderes Quartier suchen. Getoppt wird diese Virtuosität noch von der Ballade „Neujahr“: das Jahr geht zu Ende, ein neues beginnt – und doch kommen wieder: Caspar, Melchior und Balthasar.  

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