Garbage Strange Little Birds


Stunvolume/[PIAS]/Rough Trade

von

Garbage wissen ganz genau, dass ihre Konzerte heute gut besucht sind, weil das Publikum „Stupid Girl“ und „Only Happy When It Rains“ hören will. Die sind ja nicht blöd, die von Garbage. Deswegen brachten sie ihr Debüt­album vergangenes Jahr auch im Rahmen der „20 Years Queer“-Tour nochmals zur Aufführung und als etwas aufge­motzte Wiederveröffentlichung in die Läden.

Umso mehr imponiert, dass sie nach ihrer langen Pause, die die zweite Hälfte des letzten Jahrzehnts umfasste, jetzt schon das zweite Album mit neuer Musik herausbringen. Am allermeisten beeindruckt, dass sich diese Musik jetzt sogar wieder nach Bock anhört! ­STRANGE LITTLE BIRDS wirkt deutlich weniger als sein Vorgänger, NOT YOUR KIND OF PEOPLE, wie ein Alibi. Auf ihrem sechsten Studioalbum sprüht die Band um Shirley Manson vor Ideen. An Einfällen und Um-die-Ecke-Gedachtem hat es dem Quartett ja noch nie gemangelt. Einzig die Ausführung ihrer Eingebungen war immer wieder, besonders auf ihrem letzten Album, anstrengend. Eine zu drei Vierteln aus Produzenten bestehende Gruppe neigt eben zu Überproduktion.

Das gut umgesetzte Konzept von ­STRANGE LITTLE BIRDS ist „Unmittelbarkeit“. Natürlich wird der Sound von Garbage immer ein effektbeladener sein, einer von einem nach vielen Seiten offenen Amalgam aus Alternative Rock, Electronica und Synthiepop. Minimal geht jedenfalls anders. Dennoch klangen Garbage seit ihrem ersten Album nicht mehr so reduziert. Das tut den vielen beachtenswerten Melodien – heraus­ragend: „Teaching Little Fingers To Play“ – gut.

Im Ganzen erinnert das Album in seiner Zurückgenommenheit an EXCITER von Depeche Mode: Abgesehen von der gewohnt poppigen Leadsingle, „Empty“, und den Stücken „Magnetized“ und „We Never Tell“ spielt sich die Platte im Downtempo ab. Vor diesem Hintergrund kann sich Mansons stets zwischen Verführung und Angriffslust changierende Stimme voll entfalten. Zum Schluss, am End’, steht ein Song namens „Amends“, zu Deutsch „Schadenersatz“, „Wiedergutmachung“. Das wirkt apologetisch, obwohl wirklich keine Entschuldigung angebracht ist.

Selbstverständlich wird sich keiner dieser Songs neben Klassikern wie „Queer“ oder „Push It“ etablie­ren können. Gar­bage wissen das. Sie wissen aber auch, dass sie – natürlich ist ihr Klangbild veraltet – ein für ihre Verhältnisse freshes Album aufgenommen haben, auf das sie stolz sein können.


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