Green Day Revolution Radio


Warner

Das Radio auf dem Cover steht in Flammen. Wahrscheinlich weil das, was da rauskommt, so krassen politischen Zündstoff liefert. „We live in troubled times“, informiert uns Green-Day-Sänger Billie Joe Armstrong. Troubled times haben seiner Band schon einmal den Arsch gerettet. Sechs Jahre nach DOOKIE (1994) und einer Reihe gefloppter Alben sah es so aus, als wäre das Trio am Ende seiner Karriere angelangt. Dann kam 9/11 und in dessen Nachhall eine Platte, die den Nerv der Zeit traf: AMERICAN IDIOT verkaufte sich 15 Millionen Mal. Das kann einem zu Kopf steigen. Green Day schrieben eine Rockoper und ein Musical und veröffentlichten 2012 gleich drei Alben, die schneller vergessen waren, als man ¡UNO!, ¡DOS!, ¡TRÉ! sagen konnte.

Beim iHeartRadio-Festival in Las Vegas rastete Armstrong auf der Bühne aus (passenderweise während „Basket Case“). Wenig später begab er sich in die Entzugsklinik. „How did life on the wild side get so dull?”, muss es ihm da durch den Kopf gegangen sein. Die Frage steht nun am Beginn des Comeback-Albums REVOLUTION RADIO. Zeit, wieder wütend zu werden! Gründe gibt es ja genug: Terror, Polizeigewalt, Donald Trump. Nur: Verärgerte Bürgerliche sind noch keine Revolutionäre, und Green Day mit ihrem Daddy-Punkrock so weit von einer Revolution entfernt wie von der Entdeckung eines vierten Gitarrenakkords. Fans von AMERICAN IDIOT werden mit den Ohren schlackern, wenn Armstrong „legalise the truth!“ skandiert und sich durch eine siebenminütige Mini-Rockoper („Forever Now“) arbeitet. Andere wundern sich vielleicht, warum das Wort „Rockoper“ bereits zum zweiten Mal im Zusammenhang mit einer Band fällt, die man einst für ihren rotzfrechen Powerpop mochte.

Am Ende dieser RADIO REVOLUTION steht eine sentimentale Akustikballade im Stil von „Good Riddance“: „Ordinary World“ hat Armstrong für den Soundtrack eines gleichnamigen Films geschrieben. Er selbst spielt darin einen Punk jenseits der 40. Das Anarchistischste, was der auf seine alten Tage tut, ist, eine Bierdose ohne Untersetzer auf einem Tisch abzustellen. Das ist ein viel besseres Bild für die rebellische Kraft dieser Musik als jedes brennende Radio.


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