Spezial-Abo

Irreversible Entanglements Who Sent You?


International Anthem/!K7/Indigo (VÖ: 20.3.)

Wollten wir WHO SENT YOU? so kurz wie möglich zusammenfassen, dann stünde uns jener Satz zur Verfügung, den Camae Ayewa zuletzt in Reihen des Art Ensemble Of Chicago so dringlich in einen Track setzte: „We are on the edge of victory“. Camae Ayewa alias Moor Mother ist auch die Stimme der Irreversible Entanglements, im Verein mit Keir Neuringer (Saxofon), Aquiles Navarro (Trompete), Luke Stewart (Bass) und Tcheser Holmes (Drums, Congas) schreibt die Rapperin und Aktivistin jetzt ihr „Black Liberation“-Manifest in vielfach gewundenen, streng rhythmischen, manchmal auch verträumten Klang- und Wortreihen fort.

„WHO SENT YOU?“ bei Amazon.de kaufen

Eine Erinnerung an die „unbegrenzten Möglichkeiten“, die Künstlern schwarzer Hautfarbe offenstehen, sowohl im Rückgriff auf die reiche Jazz-Historie als auch in deren Erweiterung durch junge Narrative der Hoffnung und Konfrontation. Irreversible Entanglements verkörpern buchstäblich die Optionen der Bewegung in ihrer Verpunkung von Jazz, in diesem Soundraum fliegen die Melodien in Fetzen, es gibt kein Weitermachen wie bisher mehr.

Der Leadsingletrack „No Más“ bohrt sich rückwärts in die Geschichte des Afrofuturismus, tanzt auf den glühenden Kohlen des Free Jazz und spinnt einen Latin Beat zwischen die wechselnd spitzen und elliptischen Tonfolgen von Saxofon und Trompete. Moor Mother diktiert die Absage an das System der Unterjochung: „No mas. Wir werden ihnen nicht mehr erlauben, zu teilen und zu erobern, zu spalten und zu unterdrücken, unsere Menschlichkeit zu definieren“.

Im Video dazu eine collagierte Bildreihe mit zwei Afronaut*innen, die ihren Weg in eine Welt suchen, die (noch) nicht von dieser Welt ist. Taktgeber ist die Zukunftsmusik von Irreversible Entanglements, die sich hervorragend in der Vergangenheit informiert hat. Die Musik wächst gerade noch. Wohin?


Die besten Musik-Dokus auf Netflix
Weiterlesen