Jake Bugg Shangri La


Mercury/Universal

Der nur mit Gitarre bewaffnete neue Draufgänger, wo ist er geblieben? Seit dem Debüt album von Jake Bugg – bereits im Oktober 2012 in Großbritannien veröff entlicht, bei uns erst im Januar 2013 – besteht für viele leise Hoffnung. Endlich randaliert da ein gerade erst erwachsen Gewordener wie einst die alten Helden im Beat-Keller. Dafür wurde der 19-Jährige nicht nur im Vereinigten Königreich gefeiert, sondern auch weit darüber hinaus. Der omnipräsente Rick Rubin hat den Youngster aus Nottingham nicht nur wahrgenommen, er hat jetzt in Malibu auch gleich mal dessen zweites Album produziert. Jake Bugg beginnt mit einem Rockabilly-Stück, das keine zwei Minuten lang ist. Mit „What Doesn’t Kill You“ wildert er im Rabaukenrevier der Arctic Monkeys. Wesentlich besonnener geht es dagegen in „Me And You“ zu, hier werden mit The Coral andere Helden der jüngeren musikalischen Vergangenheit ausgekundschaftet.
Wenn man das alles so hört, fragt man sich allerdings, warum wegen dieses Bübchens alle in so helle Aufregung geraten. Gut, Jake Bugg beherrscht den Umgang mit dem guten alten Handwerk der Musikgeschichte und sucht alle möglichen Anknüpfungspunkte. Aber er fügt dem nichts hinzu, wie es zum Beispiel MGMT gerade mit ihrem Album getan haben. Jake Bugg bleibt in der Rolle des kompetenten Plagiators stecken. Und er ist zu rastlos. Alles rauscht auf SHANGRI LA vorüber, einen Song von besonderer Qualität sucht man vergebens. Für die oft bedenklich plärrende und quäkende Stimme des Sängers aus Nottingham gibt es auch nicht unbedingt einen Eintrag auf der Pluspunktseite. Jake Bugg ist ein sicheres Indiz dafür, dass Versuche der Wiederbelebung der Musik von früher heute wie ein Akt der Verzweiflung erscheinen. Ist ja auch logisch. 1965 ist bald 50 Jahre her.


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