Janis Joplin :: von Ingeborg Schober

Solide: die Grande Dame des deutschen Rockjournalismus mit ihrer Janis-Biografie.

Am 19. Januar 2003 hätte Janis Joplin ihren 60. Geburtstag gefeiert. Hätte, denn die Ausnahmesängerin beförderte sich bereits 1970 mit einer Überdosis Heroin ins Jenseits – oder war es gar mit einer „Überdosis Janis“, wie Eric Burdon meint? Dieser und noch anderen Fragen geht die renommierte Musikjournalistin Ingeborg Schober mit ihrem schlicht Janis Joplin betitelten Buch, erschienen in der Reihe „dtv Portrait“ nach. Um allzu dröger Faktenhuberei entgegenzuwirken, lockert sie ihr Werk mit vielen Anmerkungen zum Text auf. Das macht es auch Interessierten, die nicht über das ultimative Sixties-Subkulturwissen verfügen, leicht, ihr zu folgen. Statt überheblicher Doziererei findet man Erklärungen zu Timothy Leary, Robert Crumb oder Andy Warhol, wird aber auch in Sachen Musik treffend und gut unterrichtet. Im Klartext: Bezieht sich Ingeborg Schober auf Nick Gravenites, Jefferson Airplane, Otis Redding oder gar die 13th Floor Elevators, kann man das Rocklexikon getrost im Schrank lassen, denn die Kurzbiografie folgt garantiert noch am Fuß der gleichen Seite. Auch Begriffe wie Acid Rock oder das Newport Folk Festival oder prominente Zeitgenossen wie Martin Luther King und John F. Kennedy werden mit ein paar erklärenden Worten verarztet. Ein Rundum-glücklich-Paket, mit dem sich also getrost auch all jene anfreunden können, deren Grundwissen in Sachen Rockhistorie oder Geschichte lückenhaft ist. Dass sich Janis Joplin dennoch nicht besonders flüssig lesen lässt, liegt weniger an der Autorin als am unruhigen, achterbahnartigen Lebenslauf der Protagonistin, der sich zwischen Musik, Männern (oder auch Frauen), Drogen und Whiskeyflaschen abspielte. Fazit: für Janis-Einsteiger eine empfehlenswerte Lektüre, die sich angenehm sachlich, aber nicht kühl präsentiert, und außerdem sämtliche Platten von Janis „Pearl“ Joplin vorstellt. Im Anhang listet Schober auch bereits erschienene Bücher zum Thema auf und legt dem geneigten Leser das eine oder andere Werk ans Herz – was man mit ihrem eigenen ebenfalls bedenkenlos tun kann. www.dtv.de

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