Fashion Killa

Preppy, but make it queer: Warum Andy Warhol heute präsenter denn je ist

von
Jan Kedves
Jan Kedves

Kann bitte jemand Andy Warhol, wo auch immer der jetzt ist, ausrichten, dass seine Kunst immer noch die Mode dominiert? 35 Jahre nach seinem Tod verkaufen zig Labels Produkte mit Warhol-Referenzen. Maharishi bedrucken Militär-Kimonos mit seinen „Flowers“, Comme des Garçons verkaufen den Duft „You’re In“, den er 1967 (eher als Gag) lancierte. Bottega Veneta bewerben ihre Taschen mit einer entstaubten Printkampagne, die Warhol 1985 für die Marke entwarf.

 

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Warhol überall! Dass dies mit rechten Dingen zugeht, liegt an der Andy Warhol Foundation, die den Nachlass verwaltet und auch schon mit Uniqlo, Supreme, Pepe und Calvin Klein zusammengearbeitet hat. Gegen Cash, klar. Wobei der Gedanke, dass hier mit dem Erbe der Pop-Art-Legende Ausverkauf betrieben wird, Quatsch ist.

Preppy, but make it queer

Wer sich die tolle Netflix-Doku „The Andy Warhol Diaries“ (produziert von Ryan Murphy und Maya Rudolph) ansieht, muss bestätigen, dass Warhol es genau so gewollt hätte. Er war nämlich Fashion- und Style-Junkie, immer unterwegs zwischen Trash und Luxus. In den 50ern, frisch in New York, trug er weißes Hemd mit Krawatte, sehr ordentlich, der Ostküsten-Elite-Uni-Look. Aber seinen Strickpulli (vermutlich von Brooks Brothers) knotete er sich so komisch schräg um den Hals, dass er eben nicht straight nach hinten über die Schultern fiel: preppy, but make it queer.

Später, als Counter-Culture-Ikone mit Perücke, Marine-Streifen-Tops und Blue Jeans, liebte er es, sich „von den Leuten von Dior“ zum Dinner einladen zu lassen und bei Yves Saint Laurent Fotos zu machen. Vor allem liebte er den Designer Stephen Sprouse, der in den 80ern elektrisch-blaue und silber gesprühte Bikerjacken entwarf – ein Sixties-Update, das es Warhol erlaubte, zum Wiedergänger seiner selbst zu werden: „When I wear my Stephen Sprouse jackets, I think I finally look like people want Andy Warhol to look again“, steht im Tagebuch. Zwei Tage vor seinem Tod modelte er noch für den Designer Kohshin Satoh, in Schlangenleder und Kaninchenfell („I look like Liberace!“).

Ins Geschmeicheltsein mischte sich aber sofort auch Neid, denn Miles Davis, ebenfalls Model in der Show, hatte ein 5000-Dollar-Maßschneider-Outfit mit goldenen Notenschlüsseln für den Laufsteg bekommen. Daneben fühlte Warhol sich „like the poor stepchild“. Ja, sein Ego war sehr schnell gekränkt. Genau das mag aber der Grund dafür sein, warum er Mode-Anfragen immer lieber zu- als absagte. Denn sonst hätte er ja weniger Aufmerksamkeit bekommen – und noch dazu das, was man heute „fear of missing out“ nennt.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 06/2022.


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