Jetzt! Wie es war


Tapete/Indigo (VÖ: 26.7.)

Wofür sind eigentlich Kleinstadtnarrative erfunden worden? Um die Geschichte der Musik zu erzählen, wie sie in einem Wust von nichts die Seelen rettet, die Herzen, das Leben überhaupt. Michael Girke vertont genau diesen Kleinstadtmythos, wenn er über sein „krummes, schiefes Herford“ singt, die 67 000-Einwohner-Stadt so ziemlich in der Mitte zwischen dem legendären „Forum“ in Enger und dem Kurort Bad Salzuflen, wo die späteren Schulbesten in Hamburg sich auf dem Label Fast Weltweit probten – Begemann, Distelmeyer, Spilker und La Hengst. Und eben Girke, der war lange Zeit in Vergessenheit geraten, die Zusammenstellung LIEBE IN GROSSEN STÄDTEN (1984-1988) brachte seiner Band Jetzt! zuletzt die verdiente Aufmerksamkeit.

Ein später Ritterschlag für den Erfinder einer Alltagslyrik, die sich über den Trümmerhaufen der Neuen Deutschen Welle erheben musste. In seiner schönsten Zeile in seinem schönsten Lied sang Girke, begleitet von einem Chor, immer und immer wieder „Nieder mit den Umständen / Es lebe die Zärtlichkeit“. Drei Jahrzehnte später sind die Umstände immer noch so, dass der Sänger und Songwriter sich dieser Momente vergewissert, er tut das in einem großen melancholischen Seufzer mit Banjo, akustischer Gitarre und einer Melodie, die vom Regenbogen fiel: „Ich hatte nichts / Und fühlte mich reich / Im Sommer der Liebe / Vor langer Zeit“ („Eins und eins ist unendlich viel“). Die Zahl der Lieder auf diesem neuen Album ist zwar endlich (es sind zwölf), aber man rauscht mit Sänger und Gesang, mit Gitarre und gezupften Akkorden durch eine gefühlte Endlosschleife von Tagebucheinträgen, die nur lose mit dem Hier & Jetzt verbunden sind.

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Jetzt! mit dem Ausrufezeichen ist da ein beinahe ironischer Künstlername, davor und dahinter tun sich schön gezirkelte, mit dem Mut zur Ruhe gezogene Lieder auf, manchmal atmen hier die Geister von Gundermann und Distelmeyer im Duett. WIE ES WAR ist auch eine Liebeserklärung an die Geheimnisse einer vermeintlich unspektakulären Welt, an den Wind, der durch die Ähren fährt, an das Land, das erzählt, sanft rauscht. Ist das der Beat, den wir hier hören? Erklär mir bitte einer mal den „westfälischen Schinkengroove“.

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