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Kings Of Leon When You See Yourself


RCA/Sony (VÖ: 5.3.)

von

War der Vorgänger WALLS (2016) so leicht, dass er in Milch zu schwimmen schien, setzt das erneut von Markus Dravs (Arcade Fire, Coldplay) produzierte achte Album der Kings Of Leon nun einen verträumteren Vibe und etwas mehr Tiefgang entgegen. Die deutlich längeren Songs suggerieren, dass man die gezielte Suche nach dem offensichtlichen nächsten Radio-Hit zugunsten eines ungezwungeneren kompositorischen Flusses diesmal etwas weiter hinten angestellt hat. Zumindest über weite Strecken.

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„The Bandit“ besitzt mit dezentem Killers-Charme tatsächlich ein ähnliches Pop-Potenzial wie der einstige Stadion-Transformations-Song „Sex On Fire“. Dennoch eher ein Ausreißer auf einem Album, dessen ätherischer Opener „When You See Yourself, Are You Far Away“ sich die pastorale Frühphase der Lanois/Eno-Kooperation mit U2 zum Vorbild nimmt.

Dabei ist ein Stück wie „Stormy Weather“ fast schon am sinnbildlichsten für WHEN YOU SEE YOURSELF: Mit einer wunderbar warmen Sixties-Soul-Bassline von Jared Followill versehen, geht mit diesem Song auch die Erkenntnis einher, dass jener mit seinen vier Saiten nicht allein das Fundament und die melodische Brotkrumen-Spur für diesen einen Track, sondern für das gesamte Album legt.

Wird mit „Golden Restless Age“ auch noch mal jene Art luftiger Arena-Hymne zelebriert, die der Band aus Nashville so leicht von der Hand zu gehen scheint, oder auf „Echoing“ mit pochend dreckigen Gitarren der ruppigere Garagen-Rock der Anfangsphase reflektiert, kehren die Kings Of Leon auf dem finalen „Fairytale“ schließlich zu U2 und damit in die Wüste zurück. Dort, wo man es sich zwischen Selbstreflexion und Fata Morgana in der Hängematte bequem gemacht hat.

„WHEN YOU SEE YOURSELF“ im Stream hören:


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