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Lady Gaga Artpop


Streamline/Interscope/Universal

Kurz vor Veröffentlichung des aktuellen Katy-Perry-Albums PRISM kursierte im Netz ein illegaler Download, der sich nach dem Herunterladen als das Lady-Gaga-Album BORN THIS WAY herausstellte. Da hatte sich jemand einen Witz erlaubt, dessen Subtext sich angesichts des dritten Gaga-Albums ARTPOP als sehr prophetisch erweisen sollte. Es gibt zwei beliebte Lady-Gaga-Rezeptionsmuster, die ebenso gegensätzlich wie falsch sind. Das eine besagt, Gaga wäre ja auch nicht viel besser als ihre Einweg-Pop-Kolleginnen Katy Perry und Christina Aguilera, deren Nachhaltigkeit sich lediglich in den Bilanzen der multinationalen Konzerne manifestiert, bei denen sie unter Vertrag stehen. Das andere schwärmt von der gesamt-konzeptuellen Künstlerin, die sich ein Rilke-Zitat in den Arm hat stechen lassen, die auch schon mal was von Andy Warhol gehört hat (Candy Warhol, Pop-Art, ARTPOP), die sich das Artwork des Albums ARTPOP von Jeff Koons hat designen lassen.

Die These des ersten Rezeptionsmusters wird von der des zweiten zumindest teilwiderlegt. Gagas künstlerischer Anspruch ist dem ihrer Mitbewerberinnen im Mainstream tatsächlich meilenweit voraus. Nur hilft das nicht viel, weil auch eine meilenweite Lücke klafft zwischen diesem Anspruch und der Realität. Bereits die fürchterliche Vorab-Single „Applause“ ließ erahnen, dass Gaga das Niveau der Liga, in der ARTPOP spielen soll, nicht erreichen würde, dass sie das Versprechen eines „anderen“ Mainstream-Pop, das sie mit THE FAME und BORN THIS WAY gegeben hatte, nicht würde einhalten können. ARTPOP (15 Songs, eine Stunde Spielzeit) bietet zumeist hysterisch interpretierte Dance-Pop-Hymnen, die produktionstechnisch überfrachtet sind bis zum Gehtnichtmehr und mit ein paar subsonischen Skrillex-ismen als Tribute an den vermeintlichen Zeitgeist ausgestattet sind. Warum souffliert Gagas Kunstverständnis ihr nicht, mit den gerade mal angesagtesten Produzenten zusammenzuarbeiten, anstatt mit DJ White Shadow (who the fuck?), Rick Rubin (Himmel!) und will.i.am (Nein! Nein! Nein!)?

Es gibt nur zwei Momente auf diesem Album, die aus dem konformistischen Einheitsschmonz herausstechen: der Eröffnungssong „Aura“ mit seinen psychedelischen Orientalismen und kurz vor Schluss die Ballade „Dope“ (Lady Gaga, Piano, nicht viel mehr). Obwohl Gaga ihren Schwulst-Gesang hier bis an die Grenze der Selbstparodie treibt, wirkt der Song wie eine Oase in dieser Wüste aus Holzhammer-Dance-Pop. Und dass Gaga – selbst- oder fremdbestimmt – mittlerweile klischeehaft die gleichen sexuellen Männerfantasien bedient wie jede andere Mainstream-Pop-Frau auch, wollen wir nicht unerwähnt lassen, aber nicht weiter ausführen. Das würde ein Buch füllen.


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