Leftfield Alternative Light Source


Infectious/[PIAS] Coop/Rough Trade

Es kann schon vorkommen, dass man nach längerer Absenz einer Band nicht mehr rekapitulieren kann, mit welcher Art von Musik sie genau zu tun hatte. Bei Leftfield ist das  wirklich sehr schwierig, sie haben nach Rhythm & Stealth aus dem Jahr 1999 nichts mehr geliefert. Aber dann, im Frühjahr 2015, tauchte ein Vorbote zum Comebackalbum auf, den man nur als massive Erinnerungshilfe verstehen kann. Der Bassbeschuss in „Universal Everything“ beeindruckt das eingedöste Hirnsystem des Rezipienten über alle Maßen. Dazu surrt der Synthesizer manisch, und es machen sich Harmonien bemerkbar, die man aus „Los Niños Del Parque“ kennt. Ein großartiger Kraftakt ist das.

Anders als The Prodigy, den anderen gerade wieder aufgetauchten Vorkämpfern des elektronischen Rocks der Neunziger, setzt der heute allein für Leftfield zuständige Neil Barnes aber nicht nur auf die volle Terrorvariante. Natürlich: Leftfield waren die lautesten Techtoniker ihrer Zeit, bei ihren Konzerten bröckelte schon mal fest verputzt geglaubtes Baumaterial aus der Decke. Aber Zwischentöne waren trotzdem vorhanden. Dieses Mal ist Jason Williamson von Sleaford Mods an ihnen beteiligt. Eigentlich ein Mann mit scharfer Zunge, aber hier muss man zur Abwechslung schmunzeln, wenn er in „Head & Shoulders“ über den Einsatz von „Schuppenbekämpfern“ sinniert.

In „Storm’s End“ kommt der Moment, in dem sich das Geschehen fast schon beruhigt. Erneut wird viel Equipment eingesetzt, das knackt, zischt und surrt, aber durch einen verlangsamten Rhythmus klingt es nicht ganz so rabiat. Wobei das mit der Vehemenz wirklich kein Problem ist. In unseren Zeiten, in denen zu viel ätherisch-betuliches Zeug die elektronische Musik infiziert, kommt Barnes mit diesem Pressschlag genau richtig.


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