Let’s Eat Grandma I’m All Ears


Transgressive/[PIAS] Coop/ Rough Trade

Das erste (von vielen) Ausrufezeichen kommt gleich im zweiten Song: „Hot Pink“ ist bei den beiden Teenagern Jenny Hollingworth und Rosa Walton weder nur Farbe oder Geschlecht, sondern eine Waffe, mit der sie zu sägezahn­artigen Basshieben und klebrigen Clubbeats aufs Pop-Schlachtfeld ziehen: „You won’t believe the shit that I can do“, warnen sie. Und (nur zum Schein naiv): „On my pony in the sky. I just want anything and everything.“ Mit ihrem Debüt I, GEMINI hinterließen sie 2016 schon eine Ahnung von ihrem genresprengenden Potenzial, jetzt schmeißen sie mit allem zwischen Charts-Pop und weirden Instrumenten um sich. I’M ALL EARS ist deutlich clubbiger, nachtgetriebener und vor allem hyperaktiver als der geisterhaft verdrehte Psych-Pop des Vorgängers.

Das frei assoziierte Songwriting war dort schon angelegt, aber es klang noch mehr nach der Verschrobenheit einer Jenny Hval als – wie jetzt – nach dem Hybrid-Pop einer Charli XCX. In jedem Song stecken eigentlich immer gleich mehrere: „Falling Into Me“ ist eine Alternative-Pop-Suite, die als surreales Noir-Musical in einer dunklen Seitenstraße beginnt und im Laufe einer Angstbewältigungsgeschichte Van-Halen-Synthesizer mit zeitgenössischem Dance-Pop und einem Saxofon-Solo koppelt. „Snakes & Ladders“ geht von einer Gitarrenballade in eine Space Oddity über, inklusive extraterrestrischem Sausen. Gerade diese raffiniert geschlagenen Haken machen I’M ALL EARS so zeitgemäß. Wenn Sie glauben, Popmusik könne im Jahr 2018 nichts mehr anders machen: Hören Sie diese Platte!

 

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