Lingua Ignota Sinner Get Ready


Sargent House/Cargo (VÖ: 6.8.)

von

Sie hämmert auf das Klavier ein, ihre Stimme schwingt sich in höchste Höhen auf, ein lang anhaltendes Vibrato erklingt. Kristin Hayter singt von Krankheiten, die von einem abfallen, von Wunden, die heilen, von Hingabe und Ergebenheit, Himmel und Hölle. Die US-Musikerin, die sich Lingua Ignota nennt, hat ihre Live-Performances einmal als Exorzismus bezeichnet – wie diese Dämonenaustreibung klingt, das kann man nun aber auch auf ihrem neuen (dem vierten) Album SINNER GET READY hören.

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Das Auftaktstück „The Order Of Spiritual Virgins“ setzt darauf den Ton: Die Laut-Leise-Kontraste des Pianos, die irre intensive Stimme, der dramatische Aufbau – all das zieht einen augenblicklich in dieses Album hinein. Inhaltlich setzt sich Hayter auf denkbar spektakuläre Weise mit dem tief verwurzelten Katholizismus in Pennsylvania auseinander, wo sie während der Produktion des Albums lebte.

Musikalisch bedient sie sich der sakralen und barocken Musik, die meisten Songs sind getragene, doomige Pianostücke. Kirchenorgeln sind genauso zu hören wie Chöre, der kraftvolle Sologesang erinnert mitunter an Popmusikerinnen wie PJ Harvey oder Amanda Palmer. Mit jedem einzelnen Vers, mit jedem einzelnen Ton dieses Albums meint man etwas von den Gründen für den Glauben und von den Abgründen des Glaubens zu verstehen. Groß.


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