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Luke Haines & Peter Buck Beat Poetry For Survivalists


Cherry Red/Rough Trade (VÖ: 6.3.)

Luke Haines malt gerne Bilder von Lou Reed. Diese verkauft er bisweilen für 99 Pfund. Eines davon erstand Peter Buck, so lernte man sich kennen und schätzen. Ob diese Hinführung zu vorliegendem Album nun zutrifft oder nicht, ist eigentlich egal, denn es verhält sich doch so: Der ehemalige Vorsteher der Britpop-Randfiguren The Auteurs zeigte sich in den letzten zwei Dekaden als ebenso unterhaltsamer wie stinkstiefeliger Widerborst mit großem, stets mindestens unterhaltsamem Output.

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Kommerzieller Erfolg schien ihm dabei eher egal zu sein. Buck tat nach dem Ende von R.E.M. – bzw: eigentlich schon vorher – Ähnliches von der anderen Ozeanseite aus; allerdings mit einem gewichtigen Unterschied: Bei ihm hatte man immer den Eindruck, dass er Menschen an sich gut leiden kann und einfach nur so viel musizieren möchte wie möglich. Gemeinsam haben die beiden nun also ein Album aufgenommen, das sich, was seine Expressivität angeht, eher Richtung Haines zu lehnen scheint und zu einem eigenartig zwischen Psychedelic, Lo-Fi, Glam, Kammerpop und Postpunk oszillierenden Klangbild Geschichten erzählt, die gerne das Gebiet verlassen, in dem Pop für gewöhnlich beheimatet ist.

Stattdessen bewegen sie sich in abseitigen Randgebieten, deren Koordinaten sich oft erst nach einer Weile herausschälen. Während etwa in „The Last Of The Legendary Bigfoot Hunters“ die Blockflöte windschief tönt, wird von den Ramones und Liberace erzählt; in „Jack Parsons“ dem gleichnamigen Raketenforscher und Okkultisten die Ehre erwiesen. In „Andy Warhol Was Not Kind“ verweisen die beiden nicht nur auf den Pop-Art-Superstar, sondern auch auf Klaatu, bei deren größten Hit sie sich im Refrain wortwörtlich bedienen. Am Ende, in „Ambulance“, singt Haines: „It’s the closest to a hook that we’re ever gonna get.“ Und das Verblüffende: Da steckt ein Korn Wahrheit drin, denn natürlich arbeiteten beide Beteiligte schon näher an klassischen Melodien, aber dieser eigenartig verwaschene Sound ist durchaus anheimelnd.

BEAT POETRY FOR SURVIVALISTS im Stream hören:


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