Max Herre Athen


Lesedi/Universal (VÖ: 8.11.)

Also eins kann man Max Herre nicht vorwerfen: dass er auf Nummer sicher gehen würde. Nach dem Soul-Pop-Experiment HALLO WELT (2012) folgt nun der nächste Richtungswechsel. Der führt allerdings in die Vergangenheit: Mit ATHEN kehrt Herre zurück zum HipHop. In dem hat sich aber, seit der 46-Jährige und sein Freundeskreis halfen, den Deutsch-Rap auf die Landkarte zu setzen, allerhand getan – von der Wortakrobatik eines Dendemann über die Street-Attitüde eines Megaloh bis hin zum Cloud-Rap von Trettmann.

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Die drei sind denn auch – neben Herres Frau Joy Denalane und Dirk von Lowtzow – als Gäste dabei. Im Vergleich zu ihnen merkt man, dass Herres Rap-Skills sich mit den Jahrzehnten nicht wesentlich weiterentwickelt haben. Er pflegt immer noch diesen eigentümlich schläfrigen Erzählonkel-Style, der ihn einst etwas altväterlich erscheinen ließ. Nun ist er endlich nahezu so alt, wie er schon immer klang, und man kann feststellen: Herre hat ein Genre erfunden, nennen wir es den Liedermacher-Rap.

Zu mal flirrenden, mal tröpfelnden, nie aufgeregten Beats erzählt er entspannt und reflektiert von zu früh geborenen Kindern und von Flüchtlingen, von Identitäts- und Beziehungskrisen. Das ist mitunter arg gediegen, aber in seiner Ernsthaftigkeit anrührend. Aber auch das konnte man Herre ja noch nie vorwerfen: Dass er ein Witzbold sei.


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