Highlight: Die 50 besten Jazz-Platten aller Zeiten

Miles Davis The Original Mono Recordings


Sony Legacy

Keinem anderen Musiker gelang ein so immenser und stilistisch vielseitiger Output als Miles Davis (1926–1991). 22 Jahre nach seinem Ableben mit gerade einmal 65 Jahren steht der in seiner Sprunghaftigkeit nicht unumstrittene Jahrhundertkünstler noch immer im Fokus – im künstlerischen wie im geschäftlichen Sinne: Parallel zur opulenten COLLECTION BOX mit 28 CDs des Ausnahmetrompeters kommt als Begleiter THE ORIGINAL MONO RECORDINGS heraus. Mit gerade einmal neun CDs ist diese in puncto Quantität zwar vergleichsweise mager, das Set überzeugt allerdings mit seinem Inhalt. In der Zeit von Davis’ Columbia-Debüt ’ROUND ABOUT MIDNIGHT (aufgezeichnet 1955/56, aber erst 1957 veröffentlicht) bis hin zu SOMEDAY MY PRINCE WILL COME von 1961 erlebte der Trompeter seinen internationalen Durchbruch und den Aufstieg zum Superstar ebenso wie weitere signifikante künstlerische Metamorphosen. Nach Bebop (1944–48), Cool Jazz (1948–49), Hard Bop und der Blue Period (1950–54) markierten die darauffolgenden Jahre Davis’ Weg in die Popularität mit wesentlich leichter konsumierbarer Musik.
Auf dem Meilenstein ’ROUND ABOUT MIDNIGHT spielt Miles Davis im Quintett mit u.a. Tenorsaxofonist John Coltrane. Klassiker wie „Bye Bye Blackbird“ sowie der von Thelonious Monk verfasste Titelsong sind noch tief im Hard Bop verwurzelt. Ganz anders hingegen die nach BIRTH OF THE COOL (1949–51) erneute Zusammenarbeit des Trompeters mit dem Arrangeur Gil Evans auf MILES AHEAD: Die zehn opulent orchestrierten Stücke zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik gehen ineinander über und bilden eine Suite. Weitere Beispiele von Evans’ großer Arrangierkunst gibt es auf PORGY AND BESS (1958) nach George Gershwin, sowie in der exzellenten spanischen Folkloreumdeutung SKETCHES OF SPAIN (1959).
MILESTONES wiederum, nicht zu verwechseln mit Davis’ und Charlie Parkers gleichnamigem LP-Projekt von 1947, in Sextettbesetzung mit den Saxofonisten Cannonball Adderley und John Coltrane aufgenommen, gilt als erstes Beispiel von Davis’ sogenannter modalen Phase. Zur ihr zählt auch das durchweg selbstverfasste Vierfachplatinwerk KIND OF BLUE von 1959 – das bestverkaufte Jazzalbum aller Zeiten. „All Blues“, eine elfminütige Elegie im 6/4-Zeitlupentakt, besitzt Ohrwurmqualität. Als Übergangswerk fungiert 1961 SOMEDAY MY PRINCE WILL COME mit zur Hälfte Coverversionen und Eigenkompositionen.
Auf JAZZ TRACK von 1958 werden zehn Kompositionen für den französischen Kinoklassiker „Ascenseur Pour L’échafaud“ (Fahrstuhl zum Schafott) sowie drei weitere kurz nach MILESTONES entstandene Aufnahmen zusammengefasst. Der Konzertmitschnitt MILES & MONK AT NEWPORT fällt in der Kollektion – nicht nur was sein Veröffentlichungsdatum 1964 anbelangt – zeitlich aus dem Rahmen: Der erste Teil wurde 1958 im Sextett eingespielt. Fünf Jahre später entstand am selben Ort eine Aufzeichnung mit Thelonious Monk.


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