Modeselektor

CLASSICS VOL. 1

Monkeytown Records (VÖ: 6.3.)

Die emotionale Kratz- und Knarz-Elektronik des Berliner Duos bleibt weiter relevant.

Gernot Bronsert und Sebastian Szary sind Modeselektor. Seit nunmehr 20 Jahren veröffentlichen die beiden Berliner Alben und EPs, sind als Produzenten und DJs unterwegs. Zusammen mit Sascha Ring alias Apparat bilden sie das Trio Moderat. Vier Jahre hat es gedauert, bis wieder neues Material entstanden ist, und das wohl, nach eigener Aussage, eher zufällig. Eigentlich wollten die beiden nämlich erst mal nur alte Tracks aus den Alben HELLO MOM (2005) und HAPPY BIRTHDAY (2007) entstauben, was zur Folge hatte, dass „alles auseinandergebaut und wieder neu zusammengesetzt“ wurde.

So war das gar nicht geplant, aber wie es immer so ist: Zufall ist King! Das Ergebnis erinnert stark an die Anfänge des Duos, hat aber nichts Gestriges an sich. Im Gegenteil. Wie knisternde und bouncende Alben an einem verregneten Abend im 17. Stock eines Hochhauses in Frankfurt am Main klingen sie. Oder wie der frühe Morgen in einem Privatclub mit Mate-Ausschank. Oder wie die Hintergrundmusik beim Zusammenpacken von Umzugskartons beim Zwillingsbruder. Ermunternd und beruhigend zugleich.

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Mit „This Track Kills Fascism“ wird Hoffnung in tanzbare Slogan-Wiederholungen gepackt. Das funktioniert besser als das weinerliche Singer/Songwriter-Gesäusel derjenigen, die noch vor Kurzem feelgoodmäßig behaupteten, es müsse doch reichen, irgendwie „Die Vielen“ zu sein und auf Straßen „AfD – go away“ zu skandieren. Hat nicht geklappt, hammse nicht gemacht. Das mit dem Weggehen. Apropos weggehen: Das könnte man ja auch mal wieder machen. Ab April spielen Modeselektor wieder live. In Zeiten wie diesen kann ein bisschen Eskapismus ja nicht schaden.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.