Morrissey

California Son

BMG Rights/Warner (VÖ: 24.5.)

Glamouröse Coverversionen, auch von linken Protestsongs: Einsicht oder Sarkasmus? Hoffen wir das Beste.

Morrissey will seinen Arsch retten. Das hat der Mann auch nötig: Wie viel Liebe hat er bis vor wenigen Jahren noch empfangen, und wie ungeschickt bis böswillig ist er damit umgegangen? Die Posse um die rechtspopulistischen Aussagen in einem Interview mit dem „Spiegel“ war schwer zu ertragen, danach sagte er seine gesamte Europa-Tour ab. Der Mozzer am Boden!

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Nun beginnt die Reha: CALIFORNIA SON ist ein Cover-Album, aufgenommen mit ehrenwerten Gästen wie Ed Droste von Grizzly Bear und Petra Haden, auch Billie Joe Armstrong von Green Day ist dabei. Die Liste soll zeigen: Seht her, ich bin nicht isoliert, ich bin noch Teil der Szene.

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Die Auswahl der Stücke ist exquisit, Morrissey ist ein Kenner, ein Fan – auch das will er uns beweisen. Dabei sendet er Signale, die ihn politisch wieder ins richtige Licht rücken sollen: Er singt „Days Of Decision“ des linken Protest-Folkies Phil Ochs, von Dylan covert er „Only A Pawn In Their Game“, gewidmet dem 1963 ermordeten Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers. „Take a little drink from the liar’s cup“, heißt es in Buffy Sainte-Maries „Suffer The Little Children“, in dem sie die verfehlte Pädagogik in Schulen im Zeitalter des Kapitalismus kritisiert.

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Zeigt Morrissey Einsicht? Oder dreht er die Vorlage klammheimlich um? Schwer zu sagen. Die Zeit der Unschuld ist vorbei, er hat sie selbst beendet, man wird Morrissey nie mehr so hören, wie früher – obwohl man es gerne täte, wenn er formvollendet „It’s Over“ von Roy Orbison singt.

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