Neil Young & The Promise Of The Real The Monsanto Years


Reprise/Warner

von

Die erste Reaktion auf die Platte kam aus der Pressestelle des Landwirtschaftskonzerns Monsanto aus St. Louis, Missouri, dem Neil Young diese Tirade gewidmet hat. Dort, so liest man, gibt es viele Neil-Young-Fans, die nun alle enttäuscht sind, weil sie sich zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen. Ist ja auch eine doofe Situation, vergleichbar mit der Lage der Grönemeyer-Fans unter den Pegida-Köppen, die nicht schlecht staunten, als ihr Held gegen ihre Patriotenmärsche wetterte. Nun sollten die Leute von Monsanto aber nicht jammern, denn es ist offensichtlich, dass der Konzern eine äußerst perfide Strategie fährt. Nach Meinung vieler Experten habe sich das Unternehmen mit allerhand Bio- und Fair-Trade-Kampagnen zwar grün gewaschen, verfolge aber vor allem das Ziel, mit genetisch verändertem Saatgut Kleinbauern abhängig von den Monsanto-Produkten zu machen. Wie es sich für einen alten Hippie gehört, beschwört Neil Young zunächst einen „New Day For Love“, bevor es bei „Big Box“ um die böse Macht der großen Konzerne im Allgemeinen geht. Bei „A Rock Star Bucks A Coffee Shop“ zeigt er, wie sehr die Konzerne miteinander kuscheln, woraufhin übrigens auch Starbucks seiner Enttäuschung über diesen Querverweis Ausdruck verlieh.

Das Feedback zeigt: Unwichtig ist Neil Youngs Output nicht; es gibt in den USA wenig starke Fürsprecher für die Grüne Idee. Und die Musik? Nach den Experimenten mit Uralt-Equipment und Streichern ist dies wieder eine Rockplatte, eingespielt mit Promise Of The Real, der Band um zwei Söhne von Country-Veteran Willie Nelson, Lukas und Micah. Die Produktion ist spröde, das Songwriting unkonzentriert, die Gitarren klingen aber toll. Alleine die ersten Sekunden von „Big Box“: Die Macht der geschlagenen E-Gitarre ist ungebrochen.


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