Neromun Blass


Lauter Lauter/The Orchard (VÖ: 15.10.)

von

Wer ein Problem mit Auto-Tune hat, dem wird bei BLASS blümerant werden. So ausgiebig und lustvoll wie Neromun hat nicht mal ein Bon Iver es gewagt, den Effekt einzusetzen. Immer wieder verschluckt sich die Stimme des Rappers an sich selbst, versinkt im Unwirklichen oder verschwindet gleich ganz hinter Bits und Bytes. Das passt ins Konzept: Der Mainzer, der sich auf seinen ersten beiden Alben noch Negroman nannte, spielt auf BLASS nicht nur musikalisch mit seiner Stimme, sondern auch inhaltlich.

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Wer spricht da eigentlich? Aus welcher Position? Und worüber? Die beständige Tonhöhenmanipulation illustriert, wie der 28-Jährige auch seine eigene Identität als Schwarzer Deutscher mal ignoriert, mal reflektiert, mal aus einer ganz anderen Position begutachtet. Während die Beats hochmodern, extrem artifiziell und großartig minimalisiert schleifen, stottern und dystopische Stimmung verbreiten, taucht Neromun tief ein in die Populärkulturgeschichte, dreht Nina Hagen und die Neptunes ebenso durch den Assoziationsflow wie Erik Satie, Sisyphos aus der Antike oder „Drei-Wetter-Daft“ aus den Eighties, und setzt vor allem – ganz so wie die Kollegin Haiyti – die Genre-Klischees in die Ecke wie exotische Zootiere.

Aber immer mit läuft die Frage nach der Identität, auch gerade weil Neromun sie elegant umschifft, in unerwartete Blickwinkel setzt und gern mal eine Meta-Ebene mehr einzieht. „Der favourite nigger wird blass“, ist vielleicht der zentrale Satz des Albums, auf viele verschiedene Arten lesbar, eher Assoziationsquell als Aussage – ganz so wie das ganze Album.


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