Okkervil River The Silver Gymnasium


ATO/[PIAS] Cooperative/Rough Trade

Inhaltlich glänzten die Alben von Will Sheffs Okkervil River bisher meist durch fein ziselierte Gedankenwelten, deren Bezüge zur Realität stets chiffriert waren und sich nur selten auf Sheff selbst bezogen. Es wird schon im Opener „It Was My Season“ klar, dass das auf THE SILVER GYMNASIUM nicht mehr der Fall ist. Sheff nimmt uns mit auf eine Art Heimaturlaub, erzählt vom Aufwachsen in Meriden, New Hampshire, singt vom Ärger mit den Eltern und den Zukunftsplänen und von der Freundschaft, vielleicht auch von der Liebe: „They say that I’ll go to college. They say that you will stay home and watch while I’m leaving“ heißt es da, und auch im weiteren Verlauf der Platte blicken wir mehrfach in den sperrigen Alltag eines Heranwachsenden („When I first saw your mom I was right and she was wrong about just the type of man she was bringing back“ aus „White“), aber auch in die Tiefen einer troubled soul, etwa in „Pink-Slips“. Hier erkennt man nicht genau, ob die zerbrochenen Träume, die da besungen werden, die von Amerika oder die von Will Sheffs am Abgrund sind. Interessant ist, was uns Sheff als Beiwerk mitgibt: Zu einem von Will Schaff (ja, der Mann, der für das Artwork der Band verantwortlich ist, heißt fast genau wie der Sänger) gezeichneten Digital-Diorama seiner Heimat erzählt er von der Kindheit, vom ersten Weglaufen und von Akademiker- und Trailer-Park-Kids. Das ergibt zusammengenommen eine Welt, mit der man sich gerne weiter beschäftigen würde, zumal die Platte Okkervil River musikalisch so stark zeigt wie zuletzt auf THE STAGE NAMES (2007): warm inszenierte Indie-Rock-Hymnen, über die Sheff expressiv singt wie selten, ein wenig erinnert er an Jarvis Cocker zu „Do You Remember The First Time“-Zeiten.


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