Paul McCartney Egypt Station


Capitol/Universal (VÖ: 07.09.18)

Die größte Gabe des Jahrhundert-Genies Paul McCartney ist es vielleicht, sich von der eigenen Vergangenheit nicht beeindrucken zu lassen. Sonst hätte er nach den Beatles aufgeben müssen – und der Welt wäre so manches RAM und BAND ON THE RUN entgangen.

Trotzdem will einem das nicht in den Kopf: Da greift der Mann, der „Penny Lane“, „Michelle“ und „Helter Skelter“ geschrieben hat, eines Tages zur Gitarre, spielt drei Akkorde, G, E und F, im simpelsten 4/4-Takt und nennt das Ganze dann eine Single: „Come On To Me“ ist ein bemerkenswert einfallsloser Song übers Aufreißen. Es ist leider noch nicht einmal der schlechteste auf McCartneys 17. Solo-Platte.

Mit geilem Blick auf die Charts pirscht sich der 76-Jährige an die jungen Dinger ran: Den Song „Fuh You“ hat Ryan Tedder von OneRepublic produziert. Ein Sound so superslick wie die Werbung, die einen zwischen zwei YouTube-Videos anplärrt, dazu McCartneys Greisenstimme: „You make me wanna go out and steal.“ Ob es das ist, was die jungen Leute hören wollen? Die gute Nachricht lautet, dass EGYPT STATION ein besseres Album ist, als diese Tiefpunkte befürchten ließen.

„I Don’t Know“ zeigt den zweiflerischen McCartney. Bei „Hand In Hand“ klingt er fast wie Morrissey, wobei er World Peace sehr wohl als sein Business erachtet: „People Want Peace“. Im sonnigen „Confidante“ erfahren wir von einer alten Gitarre, die ihm in Jugendtagen wie ein Freund war. Und „Happy With You“ bestätigt den Aufwärtstrend von „Getting Better“:

„I liked to get wasted, but these days I don’t, because I’m happy with you.“ Da wirkt die Stimme nicht mehr greisenhaft, sondern würdevoll gealtert und weise. McCartney ist sich seiner Endlichkeit bewusst. Was auch immer du noch zu erledigen hast, sagt er sich, „do it now, while the vision is clear“. Wäre seine Karriere „Hey Jude“, befänden wir uns jetzt im endlosen „Na-na-na-naaa“. Da schläft einem beim Mitklatschen dann und wann das Gesicht ein. Und doch lässt man sich mitreißen. Noch einmal. Und noch einmal.

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