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Pink Floyd The Endless River


Parlophone/Warner

Das Beste an „Shine On You Crazy Diamond“, dem Schlüsselsong auf dem Pink-Floyd-Album WISH YOU WERE HERE, ist die Spannung, die aufgebaut wird. Das endlose Warten auf Strophe und Refrain. Aus dem Nichts auftauchende Synthesizer-Flächen, die man freilich damals 1975 auch schon für kitschig halten konnte, begleitet von David Gilmours bluesiger Gitarre. Und dann der kathartische Moment, wenn der Gesang von Roger Waters einsetzt, und Waters den „Crazy Diamond“ beschwört und wir wissen, dass Syd Barrett damit gemeint ist, diese verlorene Seele, der früh ausgebrannte Held, die Legende, dann ist das immer noch gut für eine Gänsehaut.

Die Pink Floyd der Nach-Roger-Waters-Ära haben ihre ganze Zeit investiert in die Rekonstruktion dieses einen Songs, der dann mit unterschiedlichen Titeln auf diversen Alben veröffentlicht wurde. Höhe- und Endpunkt dieser Entwicklung ist THE ENDLESS RIVER, ein Album, das auf Outtakes einer der drei schlechtesten Pink-Floyd-Platten beruht: THE DIVISION BELL von 1994. Die Zweitverwertung der Zweitverwertung von „Shine On You Crazy Diamond“, wenn man so will.

Die Musik auf dem Album erinnert in schockierender Weise an jene, die unaufdringlich, fast unhörbar in Physiotherapie-Praxen läuft. Fango-Massage-Krankengymnastik und dazu Eso-Sphären-Klänge und eine Panflöte als Leadinstrument. Entspannen, zurücklehnen, die Augen schließen. Nur dass bei Pink Floyd Gilmours zur Selbstkarikatur gewordenes Gitarrenspiel den Part der Panflöte übernimmt. THE ENDLESS RIVER hat schon ein paar Momente. Aber es sind wenige. Immer dann, wenn sich die Band aus dem Pink-Floyd-Baukasten herausbewegt und dabei sogar ab und an ein atonales Freak-Out veranstaltet. Das wird aber schnell von Gilmours aufdringlicher Gitarre vertrieben oder von Nick Masons Phil-Collins-artigen Drum-Breaks zu Tode gedroschen.

Der Vergleich mit „Shine On You Crazy Diamond“ und allen Pink-Floyd-Alben seit A MOMENTARY LAPSE OF REASON verdeutlicht den Unterschied zwischen Kunst und Kunsthandwerk – abstrakter Expressionismus versus Keramikmalerei. Und dann kommen die Fans wieder und empören sich, weil man es gewagt hat, ein Album von Pink Floyd nicht gut zu finden, als hätte man sie persönlich beleidigt, als hätten sie ihr Leben verwirkt, nur weil diese Band sich nicht zu schade ist, ihr eigenes Denkmal umzustoßen. Aber was weiß ein Jungspund wie ich schon von Pink Floyd?


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