Rolling Blackouts Coastal Fever  Hope Downs  


Sub Pop/Cargo  

Zwei superstarke EPs schürten bereits den Verdacht, dass hier ein besonders starkes Debüt­album in der Mache ist. Und tatsächlich, die Band mit den drei Songwritern und dem sperrigen Namen liefert. Der hüpfende Indie-Rock der Australier gehört an den Strand, kann aber auch daheim in der Nerdkammer gehört werden, gleich nach den Go-Betweens, The Clean, den Chills und all den anderen Gitarrenhelden aus Australien und Ozeanien.

Rolling Blackouts Coastal Fever stammen aus Melbourne, einer sehr schönen und wohlhabenden Stadt, die aber in der Gefahr schwebt, ihre Schönheit an den Neoliberalismus zu verhökern. Diese Entwicklung bietet der Band die Themen: „An Air Conditioned Man“ erzählt von einem Typen, der viel heißes Geld in heruntergekühlten Räumen verdient, irgendwann aber merkt, dass die Klimaanlagen nicht nur seine Haut, sondern auch sein Herz kalt werden lassen. „Cappuccino City“ ist der Song für eine Stadt auf der Kippe zur Milchschaumisierung, „Bellarine“ verlässt die Urbanität in Richtung einer Bucht in der Umgebung, in der ein Vater darüber klagt, seine Tochter an die Stadt zu verlieren.

Robert Forster und Grant W. McLennan von den Go-Betweens haben in ihren Songs ähnlich fabuliert, musikalisch liegt der Vergleich zu den legendä­ren Landsleuten noch näher: Dies ist Popmusik ohne glatte Oberflächen, die Gesänge sind mindestens spröde, manchmal schief, oft wird mehr erzählt als gesungen – und genau so muss das, weil so die Dringlichkeit und verspielte Eleganz entsteht, die HOPE DOWNS so wunderbar macht. Wer jetzt nur noch ein Argument braucht, um reinzuhören: „Talking Straight“ ist genau der Hit, den Hot Hot Heat damals nach „Bandages“ so dringend gebraucht hätten.

Klingt wie: The Go-Betweens: 16 LOVERS LANE (1988) / The Clean: Getaway (2001) / The Chills: Silver Bullets (2015) 

 


Rick Astley im 80s-Blind-Date: „'MUSIC FOR THE MASSES' – Das ist mal ein Statement!“
Weiterlesen