Roy Harper Man And Myth


Bella Union/Pias/Rough Trade

Wäre Roy Harper ein Tennisspieler, dann wäre er Björn Borg. Jemand, der es Jahre nach seinem Rücktritt noch einmal wissen will, aber mit dem alten Holzschläger antritt, weil er mit den neuen Hightech-Rackets nicht zurechtkommt. Harpers Schläger allerdings, die akustische Gitarre, ist gerade wieder angesagt, eine neue Folk-Generation hat den 72-jährigen Briten für sich entdeckt. Es war die Wertschätzung von Joanna Newsom und der Fleet Foxes, die Harper seinen Ruhestand beenden und ein 22. Studioalbum einspielen ließen. MAN AND MYTH ist sich dieses Vermächtnisses schon im Albumtitel bewusst. Vorbildlich rekonstruiert Harper seine eigene Legende von den mäandernden, langatmigen Songs über das lässige Gitarrenspiel bis hin zum gemütlich deklamierenden, immer etwas belehrenden Gesang. In nur sieben Songs, die aber bis zu einer Viertelstunde lang sind, singt Harper nur mehr von den wichtigen Dingen: In „The Exile“ vom Leben, das ewig währt, und in „Time Is Temporary“ davon, wie flüchtig ein Augenblick ist und doch alles verändert. Ein gelungenes Comeback. Das Schicksal von Björn Borg, der bei seiner Rückkehr nur verprügelt wurde, bleibt Roy Harper erspart.


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