Scott Waker – 30th Century Man :: Bekenntnisse eines Einzelgängers

Wege, die sich irgendwann kreuzen sollten: Scott Walker, 1944 in Hamilton, Ohio, geborener Amerikaner, kam 1965 nach Europa, um seinen Idolen Jacques Brei, Jean-Paul Sartre und Ingmar Bergman nah zu sein. Vier Jahre später erblickte der amerikanische Regisseur Stephen Kijak in New Bedford, Massachusetts, das Licht der Welt. Erst als Student entdeckt er Walkers in sich geschlossenes Universum und beschließt ein Porträt über das seit mehr als zwei Jahrzehnten zurückgezogen in London lebende Genie zu drehen. Dass über das ehemalige Mitglied des Teen-Beat-Trios Walker Brothers und späteren Solointerpreten mit dem vom üblichen Pop-Einerlei gänzlich abweichenden Repertoire überhaupt ein Film zustande kam, ist der fast schon an Besessenheit grenzenden Hartnäckigkeit Kijaks zu verdanken. Der öffentlichkeitsscheue Walker reagierte auf erste Anfragen, wie man es von einem notorischen Einzelgänger erwartet: Er sagte kategorisch nein! Fünf lange Jahre warb Kijak nicht nur bei Walker, sondern auch bei Weggefährten, Freunden und Künstlerkollegen für seine Filmbiograne. Und überzeugte letztendlich durch lexikalisches Wissen, aber auch durch tiefes künstlerisches Verständnis für Walkers umfangreiches Repertoire. Im knapp 100-minütigen Porträt kommen zur Vita und zwischengestreuten Psychedelic-Schriftcollagen von Walkers Texten immer wieder auch eingefleischte Fans zu Wort, denen Kijak Songs von Scott Walker vorspielt: Gleich, ob eine mittlerweile 74-jährige Studioarrangeurin, ehemalige Manager und Promoter oder aber gestandene Kollegen wie Brian Eno, David Bowie, Marc Almond, Jarvis Cocker, Damon Albarn, Johnny Marr, Sting, Goldfrapp und Radiohead – alle lauschen ergriffen, winden sich manchmal gar zu Tränen gerührt über soeben Gehörtes. Im Gegenschnitt gibt es Interviewschnipsel und Zitate von Walker, die während seiner Studiosessions im Jahr 2006 aufgezeichnet wurden: ein älterer Herr mit noch immer seltsam jugendlichem Aussehen, der wenig Selbstzufriedenes zu Protokoll gibt: „Ich bin der Orson Weites der Musikindustrie: Man lädt mich zwar zu Mittagessen ein, aber niemand will den Filmfinanzieren!“ immerhin gelang es Walker elf Jahre nach seinem beunruhigenden Album Tilt!, mit THE DRIFT ein weiteres kryptisches Solowerk zu veröffentlichen, das einmal mehr seine Kauzigkeit unterstreicht.

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