Album der Woche

Shirley Collins Lodestar


Domino/GoodToGo

von

In einer Serie von lockeren Sessions in der Stube der Meisterin ist es dem Produzenten Ian Kearey gelungen, Shirley Collins nach 38 Jahren krankheitshalber erzwungener Stille ein neues Album zu entlocken. Es geht dem Zeitgeist auf ganz ähnliche Weise aus dem Weg wie ANTHEMS OF EDEN, das Shirley 1969 mit ihrer Schwester Dolly aufnahm und das paradoxerweise so weit von den damaligen Folk-Gepflogenheiten entfernt lag, dass es beim Progressive-Label Harvest erschien.

Collins war nie eine Nachtigall, eher eine Krähe – und das ist nicht böse gemeint! –, wie sie düster auf dem Baum hockt und die Wahrheit erzählt. So ist das auch hier, wenn sie mit einer Stimme, die inzwischen an Marianne Faithfull gemahnt, wieder so eine gars­tige Story aus fernen Zeiten zum Besten gibt. Die aus Gitarren, Banjos, Dulcimers und ähnlichen Saiten bestehende Instrumentierung hat subtil das Experimentalmusikerduo Ossian Brown und Stephen Thrower besorgt. Besonders im zehnminütigen „Awake“ kombinieren sie ihre Vorliebe für Drone geschickt mit den melodischen Gepflogenheiten der englischen Tradition. Feines Comeback!


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