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Album der Woche

Smerz Believer


XL-Recordings (VÖ: 26.2.)

von

In dem gemeinsamen Video zu ihren beiden Songs „I Don’t Talk About That Much“ und „Hva Hvis” tanzen Henriette Motzfeldt und
Catharina Stoltenberg den Hallingdans, einen Volkstanz aus ihrer norwegischen Heimat, zu Clubmusik der stressigeren Sorte – womit das Vorhaben ihres Duos Smerz gut beschrieben wäre: Die Sängerinnen und Produzentinnen nehmen alle Klischees über das buschwindrösige Wesen skandinavischer Folklore sehr ernst und untergraben sie zugleich, weil ihr Weg aus dem Wald immer wieder in die dunkelsten Ecken des Clubs führt.

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Nach ein paar Jahren des moderaten Hypes um ihre Musik zwischen sinnlichem R’n’B, Footwork, Techno und dem Dream-Pop-Stoff, aus dem Albträume sind, veröffentlichen Smerz nun ihr Debütalbum BELIEVER, auf dem die beiden zu einer wundersamen, technoiden Form von Kammermusik mit wilden Rave-Ausbrüchen finden. Windspielgeflirre umglitzert im Opener „Gitarriff“ die Dunkelheit, in „Max“ wallen Synthesizer auf wie ein Unwetter in der Stille.

Im Titelsong „Believer“ umgarnen Streicher die Stimmen der beiden, die so nah klingen, als starre man gemeinsam im dunklen Zimmer in den Laptopschein. Fast unerhört intim klingt auch „Rain“ mit seinen ASMR-tauglichen Vocals zum verschleppten Rhythmus und hält einen in seiner opaken, verdrehten Schönheit dennoch auf Abstand. Es ist einer von vielen gewaltigen Nachtmusik-Songs auf BELIEVER, der langsam durch alle Ritzen dringt, statt den Raum durch die Tür zu betreten, ein Song wie die Nacht selbst: unheilvoll und heimelig, groß und voller Möglichkeiten.

„BELIEVER“ im Stream hören:


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