Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Musikexpress exklusive Kraftwerk Vinyl in Ausgabe 04-19

Steven Tyler We’re All Somebody From Somewhere


Universal

Dass der Sänger von „America’s Greatest Rock and Roll Band“ dereinst ein Country-Album aufnehmen würde, überrascht nicht. Seine Stammband Aero­smith flirtete schon einige Male mit dem Yeehaw: am prominentesten auf ihrem 1989er-Album PUMP mit dem von einem Akkordeon getragenen Jodler „What It Takes“, samt Video in einer Western-Bar, und dem Interlude „Dulcimer Stomp“. Genre-Titanen wie Garth Brooks und Mark Chesnutt coverten erfolgreich ihre Songs. Auch dass Tyler 68 Jahre alt werden musste, um sein Solodebüt zu veröffentlichen, wundert nicht.

Bereits 2011 führte er im fortgeschrittenen Alter als „American Idol“-Juror sein neues Standbein aus. Dass seine Aero­smith-Kollegen beide Moves scheiße fanden und lieber mit ihrem Paradiesvogel um die Welt touren würden, auch das ist man gewohnt. Umso mehr erstaunt es, mit welchen drei rustikalen Brocken Tylers erste Platte beginnt: Allein das polternde „Hold On (Won’t Let Go)“ knippst dem letzten Aerosmith-Album die Lichter aus. Doch unmittelbar darauf folgt der Absturz, zeigt WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE sein wahres Gesicht, spritzt mit den Gleitmitteln des Pop verschwenderisch um sich.

Stolz präsentiert Tyler seine Sammlung an Country-Klischees: „down a dusty road“ war er, „free as a bird“ fühlt er sich, „lots of love to give away“ hat er, worauf er schon mehrfach in seiner übermäßig die eigene Penisgröße anpreisenden Biografie 2011 hingewiesen hat. Dazwischen haut er ungeniert Zeilen raus wie: „You can kiss my ass, can’t help but say: It’s good to be born in the USA“. Gegen Ende lauern dann noch eine countryfizierte Version von „Janie’s Got A Gun“ und ein Cover von „Piece Of My Heart“.

Kooperation

Ein Album, dem alle Mittel recht sind. Ein Album wie Donald Trump. Oder, weniger böse gesagt: Wer sich die vergangenen 14 Jahre, auf ein neues Album von Shania Twain wartend, wundgeweint hat, dem reicht Tyler hier ein kuschelweiches Schneuztuch, mit dem man sich gewiss nicht die Nase aufrubbelt.


Die 50 besten Platten des Jahres 2017
Weiterlesen