Tessa Rose Jackson
THE LIGHTHOUSE
Tiny Tiger (VÖ: 23.1.)
Die Singer/Songwriterin spiegelt das Leben in der Vergänglichkeit.
Die niederländisch-britische Songwriterin Tessa Rose Jackson lässt ihre Songs zwischen intimer Unmittelbarkeit und kunstvoll ausgearbeiteten Arrangements, zwischen zarten Miniaturen und fast ambienthaften Klangflächen pendeln. So entsteht ein Klangbild, das in manchen Momenten an lange vergessene Künstlerinnen wie Vashti Bunyan oder Linda Perhacs, in anderen an die Alt-Folk-Bands der frühen 2000er denken lässt.
Alles wirkt warm, durchlässig, oft psychedelisch – und ist zugleich präzise modelliert. Jacksons Thema ist die Vergänglichkeit, doch sie nähert sich ihr ohne Schwermut. „Grace Notes“ formuliert diesen Blickwinkel klar: „I’m not the woman I thought I’d have to be by now.“ Der Song spürt Erwartungen, Selbstbildern und Körperlichkeit nach, bleibt aber ruhig, beinahe tröstlich.
Auch „The Bricks That Make the Building“ strahlt diese Ruhe aus. Jackson erzählt aus zwei Perspektiven – der eines Geistes, der in sein früheres Zuhause zurückkehrt, und der eines Kindes, das über seine Herkunft nachdenkt. Die schönen Satzgesänge verleihen dem Stück eine fragile Mehrstimmigkeit, während Zeilen wie „The bricks that make the building / And the earth that feeds the garden“ das Leitmotiv des Albums destillieren: dass Leben und Vergänglichkeit einander spiegeln. In „Built To Collide“ schimmert hingegen der melodische Indie-Pop der frühen Saddle-Creek-Schule durch, vor allem Rilo-Kiley kommen einem in den Sinn. Ein bisschen Leichtigkeit, die das Album passgenau austariert.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.