The Breeders 

All Nerve 

4AD/Beggars/Indigo 

Mit ihrem ersten Album seit zehn Jahren führen uns die Grandes Dames des Alternative-Rock zurück in eine Rumpelkammer, in der es nie 1994 geworden ist. 

90s-Throwback-Monat: Der März beginnt mit einem neuen Album der Breeders und endet mit einer neuen Staffel von „Roseanne“, deren Titelfigur nicht nur wie Kim und Kelley Deal eine fulminante Heldin des Feminismus, sondern auch optisch eine neun Jahre ältere Cousine der Zwillinge darstellt. Beide Fälle bedienen nostalgische Bedürfnisse, ihr kultureller Eindruck wird überschaubar sein. Zumal sich die Breeders – wiedervereinigtes 1993er-Line-up mit Bassistin Josephine Wiggs und Drummer Jim Macpherson hin oder her – seit LAST SPLASH beharrlich weigern, ein weiteres Pop-Album aufzunehmen.

Sogar die Komplettaufführungen ihrer erfolgreichsten Platte anlässlich deren 20. Geburtstags haben auf die neuen Stücke nicht abgefärbt. So sehr auch von Seiten der Industrie versucht wurde, die durchaus schmissige Leadsingle „Wait In The Car“ in die Nähe des Schachtelteufels von einem Song, „Cannonball“, zu schubsen, so sehr stehen die elf neuen Lieder doch eher dem schwerfälligen „Roi“ nahe als dem flippigen „Flipside“, um Vergleichsgrößen aus LAST SPLASH zu bemühen. Wie schon die Vorgänger TITLE TK (2002) und MOUNTAIN BATTLES (2008) bietet das erst fünfte Album der Gruppe Ideen zuhauf, die allerdings in der Rumpelkammer bleiben, wo sie Staub ansetzen und auch mal aufwirbeln, wo sie stellenweise verrosten und ihnen auch mal was wegbröselt, und wo sie gewiss nie auf Hit-Format hingewienert werden, obwohl das oft durchaus möglich wäre.

Der Vater der Band, Black Francis, hat das auf den beiden Comebackalben der Pixies versucht und ist damit eher mehr als weniger gescheitert. Das Risiko gehen die Breeders also gar nicht erst ein. Vermutlich haben sie sich aber sowieso nicht an den Pixies oder an irgendwem orientiert. ALL NERVE hat nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun, obwohl Courtney Barnett hier und da Backing-Vocals auf dem Album singt, sondern klingt einzig und allein nach 1993. Nur eben ohne die Hits dieses Jahres. Denn auch mit viel gutem Willen bleibt hier nur wenig hängen. 

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