Highlight: 13 Acts, die wir auch nach ihrem Mainstream-Durchbruch gut finden

Album der Woche

The National I Am Easy To Find


4AD/Beggars/Indigo (VÖ: 17.5.)

Am Anfang denkt man noch, alles wäre so wie immer. Oder sagen wir’s so: Der Opener dieses Albums, die Vorab-Single „You Had Your Soul With You“, und das folgende „Quiet Light“ mögen ebenso reich wie gewitzt ausstaffiert sein, mögen von der Band Beats nicht nur an die Hand gegeben, sondern manchmal auch zwischen die Beine geworfen bekommen. Es fiepst, hinten rückwärts-spurt irgendwas, man meint eine Geige zu hören, hört ziemlich sicher ein Klavier, ab und an brummt der Synthie hinein, aber letzten Endes handelt es sich um zwei sehr klassische The-National-Songs, aufgebaut um Matt Berningers immer etwas klagenden Bariton; der großen Geste weder textlich noch musikalisch abgeneigt, man kennt das von den Amerikanern.

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Es ist gar nicht verwunderlich, dass die Band anschließend abbiegt. Die Mitglieder haben über die Jahre mit ihren zahlreichen Projekten bewiesen, dass sie die Idee klassischer Rockmusik zumindest als eigenes Betätigungsfeld eher langweilt. I AM EASY TO FIND bricht gewohntes Terrain auf und bedient sich dabei zweier Strategien. Zum einem versprüht die Platte jenen Geist der Kooperative, den schon das von den Dessner-Brüdern mitkuratierte „People“-Festival im Funkhaus Berlin ausstrahlte.

Die Songs erlauben sich Umwege, verlassen gängige Schemata. Sie tun das nicht so radikal wie beispielsweise die Stücke des letzten Bon-Iver-Albums 22, A MILLION: The National erlauben sich auch kleine, sehr analog inszenierte Songs wie „Not In Kansas“ (wobei auch dieser Song seine Brüche hat). Aber die Bereitschaft, andere musikalische Gebiete zu erforschen, sei es Gospel, sei es Klassik, sei es Neue Musik, sei es Elektronik, ist durchaus vergleichbar.

Vor allem, das ist natürlich ein damit eng verwandter Punkt, tritt Matt Berninger im Verlauf der Platte einige Schritte zurück und überlässt das Mikrofon anderen. Wir hören Sharon Van Etten, Kate Stables (This Is The Kit), die langjährige David-Bowie-Mitmusikerin Gail Ann Dorsey im Titeltrack sowie, die beiden kennt man aus dem The-National-Kontext, Bryce Dessners Ehefrau Mina Tindle und Lisa Hannigan, ein Lied wird beinahe komplett von einem Chor getragen. Verblüffend, wie sehr das die Songs öffnet. Wie es ihnen Beklemmung nimmt, wie es aus Berningers Sprachrohr The National einen scheinbar vielstimmigen Stuhlkreis macht.

Aber Vorsicht! Denn es sind natürlich nach wie vor Berningers Texte, er kreist um sich selbst. „I think I’m hitting a wall“, singt er in „Where Is Her Head“ und, später in „Rylan“: „If you wanna be alone, come with me“. Sehr gerne, Matt. Sehr gerne.

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