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The Rolling Stones Blue & Lonesome


Polydor/Universal

In Zeiten, in denen die Popkultur ausschließlich von ihrer Vergangenheit zu leben scheint, alle retromanischen Schamgrenzen gefallen sind und sich Fragen über den Aktualitätsbezug von Musik scheinbar verbieten, darf man gerne einmal wieder ein neues Rolling-Stones-Album gut finden. Es ist ja so, dass der kritische Fan spätestens seit UNDERCOVER (und das ist auch schon 33 Jahre her) versucht hat, sich jedes neue Stones-Album schönzuhören – mit mehr oder weniger positiven Ergebnissen.

Es spricht nicht unbedingt für das Songwriter-Duo Jagger/Richards, dass das erste reine Cover-Album der Rolling Stones in ihrer 54-jährigen Geschichte ihr bestes seit Jahrzehnten ist. Im Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit jenseits der 70 kehren die Rolling Stones dahin zurück, wo alles begonnen hat vor fünf Jahrzehnten: zum (Rhythm’n’)Blues(-Rock) ihrer frühen Tage. Sie spielen die Lieder ihrer Vorbilder Howlin Wolf, Memphis Slim und Willie Dixon – und sind plötzlich wieder diese kleine, dreckige Band aus London, der auch die Virtuosität von Gastgitarrist Eric Clapton bei zwei Songs keinen Schaden zufügen kann.

BLUE & LONESOME wurde an ein paar Tagen im Dezember 2015 in London „live“ aufgenommen; dem Album kommt die Nicht-Produktion von Don Was ausdrücklich zugute und die neue alte Rolle, in die Mick Jagger schlüpft – als entfesselt performender Mundharmonikaspieler. Ein paar dieser scheintoten Bluesstandards – etwa „Little Rain“ von Jimmy Reed und Willie Dixons „I Can’t Quit You Baby“ – bringen die Stones in atemberaubenden Versionen zu neuem Leben; das titelgebende „Blue And Lonesome“ von Memphis Slim gehört zu den besten Performances der Band ever. Das Gesamtkonzept wird lediglich vom Artwork getrübt: die x-te, pseudo-moderne Variante der Stones-Zunge – in Blau, verstehste? – diesmal besonders hässlich.

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