The Specials Encore


Universal (VÖ: 1.2.)

Die Geschichte der Specials ist voller Irrungen und Wirrungen. Zwei Alben lang hielt die Originalband zusammen, der Hit „Ghost Town“ bedeutete 1981 das Ende, die Sänger Terry Hall und Neville Staple sowie Gitarrist Lynval Golding verließen entnervt die Band, weil Keyboarder Jerry Dammers mit seiner Vision über die Zukunft des politischen Pop nervte.

Die drei gründeten Fun Boy Three, Dammers nahm unter dem Decknamen The Special AKA das Album IN THE STUDIO auf, das einige für eine Offenbarung halten, andere für überambitionierten Müll. In den folgenden Jahren gab es lange Pausen, Ende der 90er-Jahre folgte eine Wiederauflage der Band ohne die prägenden Köpfe Hall und Dammers (was in etwa so viel Sinn ergibt wie Hall & Oates ohne Hall und Oates), seit 2007 gibt es eine Art drittes Comeback, bei dem mit Hall, Golding sowie Bassist Horace Panter immerhin drei Original-Specials mit dabei sind.

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Dammers spielt derweil in einem Tribute-Ensemble für Sun Ra und nimmt Ehrungen für sein politisches Engagement gegen Rassismus entgegen, kurz: The Specials sind nicht mehr sein Thema. Wobei, was für ein Thema sind die Specials überhaupt noch? ENCORE ist ein Album mit zehn neuen Stücken, dem in der CD-Version eine Liveplatte mit Aufnahmen von 2014 bis 2016 mit alten Hits beiliegt. Da parallel zur Ankündigung des Albums direkt viele Live-Termine kommuniziert wurden, wirkt ENCORE wie der Versuch, die Tour zu promoten. Doch ein bisschen mehr haben die zehn neuen Stücke schon zu bieten. „Vote For Me“ ist so nahe an den großen alten Specials, dass Fans mitsummen können. Trotzdem schön. „The Lunatics“ ist eine neue Version des Fun-Boy-Three-Hits, zudem covern die Specials Eddy Grants Funk-Hit „Black Skinned Blue-Eyed Boys“ und den frühen Ska-Standard „Blam Blam Fever“ von den Valentines.

Kooperation

Doch es ist nicht alles nostalgisch: Im an die Kollegen von Madness erinnernden „Breaking Point“ berichtet Terry Hall müde davon, warum das Internet ihn fertigmacht, die „10 Commandments“ stammen von der Aktivistin (und Model) Saffiyah Khan, die hier Statements vom Stapel lässt, die sich in aller Deutlichkeit gegen die pseudo-intellektuelle Feminismuskritik von männlicher Seite richten. So ist ENCORE ein Album irgendwo zwischen Wiederholung, Platzhalter und Offenbarung – und damit so verwirrend wie der Weg der Specials in den vergangenen Jahren.  

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Esther Blum

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