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Tyler, The Creator Flower Boy

Odd Future/Sony (VÖ: 21.07.)

von

„Next line will have them like: ‚woah!’,  I been kissing white boys since 2004“: Sollte sich ausgerechnet der wegen als homophob gewerteter Äußerungen mit einem Einreiseverbot ins UK belegte Tyler mit diesen Zeilen als homo-, oder bisexuell outen – und damit seinem „I’m not gay“-Statement aus „Yonkers“ von 2011 widersprechen – wäre dies der längst überfällige Urknall und damit einhergehende Beginn einer neuen Zeitrechnung im HipHop. Das könnten dann wohl nur noch Ronaldo, Trump oder der Papst Franzi mit einem Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe toppen. Greift der Odd-Future-Chef mit Lines wie „All my friends was lost, they couldn’t read the signs. I didn’t want to talk. I tell ’em my location and they ain’t want to walk“ tatsächlich schwulenfeindliche Reaktionen aus seinem Freundeskreis auf oder sind all diese Reime nur weitere Tools eines Meisters der Verwirrung, der sich angesichts des Rise of Cloud-Rap auf einmal alt und mit mehreren Top-Ten-Platten auf dem Buckel zu fest vom Mainstream umarmt vorkam? Bis Redaktionsschluss war das nicht zu klären.

Was wir bis jetzt allerdings wissen – was im Schatten der Schlagzeilen aber kaum jemanden interessieren wird – ist, dass FLOWER BOY trotz seines natürlich garstigen inoffiziellen Titels SCUM FUCK FLOWER BOY Tylers, nun ja: schönstes Album geworden ist.

Eine weitreichende Abkehr von den Noise-Attacken auf CHERRY BOMB (2015), mit jazzy Soundscapes und geschmackvollen Samples von Can und Bel-Sha-Zaar with Tommy Genapopoluis & The Grecian Knights, an denen sich schon J Dilla und Deee-Lite um Queer-Ikone Lady Miss Kier fürs Intro von „Groove Is In The Heart“ bedient haben. Eine für Tyler-Verhältnisse entspannte, harmonische Angelegenheit mit psychedelischen Momenten ohne Richtungswechsel gen Horror-Trip. Und auch wenn Tyler straight as fuck sein sollte – der Umstand, dass dies für ein paar Wochen unsicher war und die Welt trotzdem nicht auseinandergefallen ist, dürfte vielen hoffentlich Einladung genug sein, aus der Dunkelheit ihrer Closets ins Licht zu treten.

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