Ultravox – Lament

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist kein Song auf LAMENT zu entdecken, der als Chart-Stürmer geeignet wäre oder gar an „Vienna“ heranreichen könnte. Der Single-Auskopplung „One Small Day“, mit ihrer Mischung aus schwebenden Synthi-Sounds und verzerrter Heavy Metal-Gitarre, fehlt die zündende Idee. Auch die anderen Titel greifen leider etwas zu sehr auf altbekannte Floskeln zurück, sind aber trotzdem durchgehend ganz passabel gelungen.

Es ist ja lobenswert, daß die Mannen um Midge Ure eigenen Stil zeigen wollen, statt sich an modische Trends zu hängen. Aber auf produktionstechnische Spielereien kann man eben nur dann verzichten, wenn die Songs auch so genügend Substanz haben. „White China“ und „HeartOfTheCountry“,die einzigen Stücke, denen man mit ihren ausgetüftelten Effekten den Einsatz der jüngsten Klangcomputer-Generation anhört, haben die Frische, die den anderen Titeln etwas fehlt.‘ Genauso unterkühlt wie das in einer Schnee- und Eislandschaft inszenierte Video zu „One Small Day“ ist die ganze, von Selbstmitleid geprägte LP geraten. Daß man in unserer Zeit (gerade als Brite) keinen Anlaß hat, am laufenden Band Freudensprünge zu tätigen, mag man verstehen. Das ist aber noch lange kein Grund, nur noch zu LAMENTieren.