Vega

WIESO SIE STÜRME NACH MENSCHEN BENENNEN

Freund von Niemand/Urban (VÖ: 9.2.)

Brachialer Straßenrap aus Frankfurt über das Zusammenspiel von Gewalt und Depression.

Gleich zu Beginn seines neuen Albums WSSNMB, Akronym für „Wieso sie Stürme nach Menschen benennen“, wagt der Frankfurter Straßenrapper Vega den Blick zurück. Fragt sich, warum ihn die ganze Scheiße, von der er uns nun bald zwanzig Jahre lang in seiner Musik erzählt, die Gewalt, die Drogen, die Kriminalität, so magnetisch angezogen hat, oder vielleicht eher andersrum: er sie. Im Modus der absoluten Emphase berichtet er mit belegter Stimme von seiner Kindheit zwischen Atemnot und transgenerationaler Traumata: „Jede Zeile aus dieser Zeit ist wie ein kleiner Tod.“

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Der Blick auf die Gegenwart gerät aber auch nicht positiver. Vega berichtet von einem „Druck in der Brust und bleiene[r] Müdigkeit“ sowie damit verbundenen Suizidgedanken. Trost und Heilung scheint er nur in den Armen seiner Heimatstadt zu finden, der er mit „Teil von mir“ den letzten Song seiner Platte widmet und deren Lob er nicht müde wird zu verkünden, egal ob er ihren Antifaschismus („Meine Stadt fickt euer Vaterland“) oder ihre abgefuckte Bodenständigkeit („In deiner Stadt zahlt man fünf Euro für einen Flat White, in meiner Stadt zahlt man fünf Euro für einen Crackstein“) betont.

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In der Dringlichkeit von Vega auf WSSNB hat zuletzt nur sein Offenbacher Gangstarap-Kollege Haftbefehl von Straßengewalt und Depression gerappt. Schade nur, dass Vega diese brachiale Tonalität nicht über die gesamte Albumlänge durchhält und sich gegen Ende doch wieder pathetischen Deutschpop-Hooks öffnet, die wahrlich nicht nötig gewesen wären.

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