Album der Woche

Whitney Light Upon The Lake


Secretly Canadian/Cargo

von

Vier Jahre nach Whitney Houstons Tod debütiert eine Band diesen Vornamens und präsentiert auf dem Cover ein Ästlein mit roten Rosen der Verehrung. Ja, es gibt Parallelen. Auch Gitarrist Max Kakacek und Schlagzeuger Julien Ehrlich haben in ihrem Leben bisher nicht immer die leichtesten Zeiten erlebt. Das war schon bei der Band so, in der sie vorher spielten. Bei den Smith Westerns wurde alles von den Omori-Brüdern Cullen und Cameron gelenkt. Sie kamen so schlecht miteinander aus, dass die Band ihren Betrieb 2014 einstellte.

Nach dem Split ließen sich Kakacek und Ehrlich nicht lange hängen. Sie wussten, dass es immer eine gute Wahl ist, wenn man sich der Musik zuwendet, die wirklich dem eigenen Geschmack entspricht. Und da sind wir wieder bei Whitney, der Sängerin. Was Kakacek und Ehrlich auf ihrem Debüt vorlegen, hat weniger als bei ihr, aber doch noch deutlich mit Soul zu tun. Auf seinen Einsatz muss man nicht lange warten, es geht gleich zu Beginn in „No Woman“ los.

Die beiden Whitneys wollen hervorheben, dass die Trauer über das Nichtvorhandensein einer Frau im Leben rasch verschwinden muss. Also kommen zwischendurch diese feierlichen Bläsersätze hinzu, die einst schon Jackie Wilson so brillant in „(Your Love Keeps Lifting Me) Higher & Higher“ geholfen haben. In „Golden Days“ klingt mehr von der gelösten Art durch, in der sich ein Sam Cooke in „Cupid“ mit Freude suhlte. Die Vertreter aus dem klassischen Kreis des Genres spielen auf jeden Fall eine Rolle. So sehr, dass man bei LIGHT UPON THE LAKE gleich von einem Beitrag zum Neo-Soul sprechen muss, geht es aber nicht. Andere Stile spielen mit hinein, vor allem Folk und Country.

Kakacek und Ehrlich sind auch erpicht darauf, viel von der Grundstimmung ihres neuen Wohnorts L. A. abzubilden. Nirgends hört man das deutlicher als in „No Matter Where We Go“. California dreaming in Reinkultur. Auf diesem Album nimmt man auch eine Vorliebe für die Trompete wahr. Im Instrumental „Red Moon“ wird sie zum Hauptinstrument befördert. An dieser Stelle ist man schnell bei Herb Alpert und seiner Band Tijuana Brass.

Mit solchen im Indie-Rock nicht alltäglichen Tricks im Gepäck nimmt man der Band auch das zum Schluss in „Follow“ geäußerte Versprechen ab, dass ein Regenguss garantiert nicht mehr kommen werde. Dass das Quatsch ist, spielt keine Rolle. Es geht um Träumereien, das Nebeneinander von Trauer und Euphorie und darum, wie man simple Dinge zum Thema des Lebens macht. Whitney nehmen sich dafür nicht viel Zeit. Es sind nur 30 Minuten, aber in denen sorgen sie so hartnäckig für Hochgefühl, dass der Frühling gerettet ist. Egal, wie er am Himmel ausfällt.


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