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Yung Hurn 1220


Live From Earth/Soulfood (04.05.)

Amore unterm Herzen, die Postleitzahl auf dem Bauch. Derart tätowiert lebt Yung Hurn. Donau­stadt, 1220 Wien, ist sein Heimatbezirk, nach ihm hat Hurn sein erstes Album benannt. Seine Wurzeln im Proletenmilieu sind ihm wichtig. Dabei weilt er mittlerweile in Berlin, wirbt für Zalando, zählt „richtige“ Künstler wie Schauspieler Lars Eidinger und Daniel Richter zu seinen Fans und Bekannten. Wie das kam? Schwer zu sagen.

Ein paar schludrige Aufnahmen, scheinbar ambitionslos ins Mikro genuschelt. Dazu die Videos, in denen der Sänger, von wechselnden Musen umschwärmt, so lebendig agiert wie Bernie aus „Immer Ärger mit Bernie“. Auf YouTube finden diese Clips Millionen Bewunderer, mehr als selbst die größten Hits von Wanda oder Bilderbuch. Denn Yung Hurn trifft einen Nerv, er atmet den Moment, als selbstermächtigter Dilettant ist er gleichsam Punk und Popstar für die Generation Z, die keine Kunst erwartet, sondern Content – und den bitte gratis.

Dass mit 1220 jetzt erstmals ein käufliches Album erscheint, ist als Zeichen der einsetzenden Professionalisierung fast mit Skepsis zu betrachten, die sich aber als unbegründet erweist. Kapazunder wie Stickle (Bushido, Prinz Pi) oder Deagle bauen jetzt zwar luxuriöse Beats, seiner sorglosen Rausch­lyrik bleibt der Rapper aber treu. Kurze, für sich genommen nicht besonders aussagekräftige Zeilen verwandelt er in Hooks: „Alle hassen uns, aber sie schauen“, „Lachs, Lachs, Lachs“, auch so kann man Refrains dichten, „Ok Cool“ hat sich als phlegmatische Allzweckwaffe gegen die Widrigkeiten des Alltags zum geflügelten Wort entwickelt. Und auch die romantischen Avancen des Boys wissen zu verzücken: „Baby ist klug, ich kauf’ ihr ein Buch.“ In den deutschen Charts ist 1220 auf Platz 2 eingestiegen. Erfolgreicher ist nur Helene Fischer. OK, cool.

 


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