Schwarz, Weiß, Grün


Gute Mischung: Cee Lo Green hat seine Musik mit etwas 60s-Soul gestreckt, um die Verträglichkeit zu erhöhen.

Da kommt der Mann, der den Hit gelandet hat, auf den sich in diesem Herbst alle einigen können – obwohl (oder gerade weil) er etwas provozierend „Fuck You“ heißt. Mit watschelndem Gang betritt Cee Lo Green die Hotelbar, angetan in einem grasgrünen Trainingsanzug, eher ein Kuschelanzug. Der Rücken schmerzt, also legt er sich auf ein Sofa. Die riesige Sonnenbrille lässt er auf. Während sich die Bar mit den Teilnehmern eines Kardiologenkongresses füllt, rutscht die eine Hand gemütlich in die Kuschelhose, mit der anderen greift er sich das Aufnahmegerät.

„Willst du die Wahrheit hören?“, fragt Cee Lo Green. Na klar, bitte. „Ich werd’s dir sagen. Es ist wie reines Kokain.“ Ich lache kurz nervös auf. „Reines Kokain ist das beste, aber man muss es immer mit etwas mischen. Ich habe auch so einen Reinheitsgrad, den man strecken muss. Sonst würden es die Menschen nicht aushalten. Verstehst Du die Analogie?“ – Klar. Die ersten beiden Soloalben nach seinem Ausstieg bei der Southern-Rapgruppe Goodie Mob floppten. Um sicherzustellen, dass sein drittes, das erste nach seinem Ausflug zu Gnarls Barkley, auch wirklich gehört wird, hat er die Musik in ein gefälliges 60s-Soulkleid gesteckt. – „Ich will nicht nach Motown klingen. Das finde ich fast beleidigend. Aber es ist Business, ich darf es nicht persönlich nehmen. Musik zu machen ist ein wenig wie Drogenhandel. Wie gesagt: Wenn sie zu rein ist, bringt sie dich um.“

Cee Lo Greens neueste Lieferung, das Album The Lady Killer, ist vor allem textlich nicht ganz so harter Stoff wie das düstere zweite Gnarls-Barkley-Album, oder auch der Welthit „Crazy“, der von Geisteskrankheit handelte. „Wenn ich wieder von Qualen und gebrochenem Herzen gesungen hätte, hättest Du nicht gedacht: Typisch, immer dasselbe?“ – Vielleicht hätten mich die Songs aber auch gerührt. – „Ja, aber nimm das letzte Portishead-Album. Ich bin ein großer Fan, aber ich höre es nie an. Mit meinem Album darf ich kein Risiko eingehen. Ich brauche ein Sicherheitsnetz, doch den Leuten wird die Show trotzdem gefallen. Vielleicht rede ich zu viel.“ Er wolle bloß, dass seine Hörer wissen, was er alles bedenken muss. Und dennoch: „Dass ‚Fuck You‘ ein schwieriger Titel fürs Radio sein soll, ist mir vollkommen egal. Mir ist wichtig, dass ich Herz und Seele habe und andere Herzen und Seelen erreiche. Was immer auch passiert, ich bleibe ein Künstler. Aber ich muss auch professionell sein.“ Am Abend tritt Cee Lo Green auf, begleitet von fünf Frauen in engen roten Kleidern. Seine Stimme ist große Kunst. Und das Konzert ist professionell. Ein bisschen zu professionell vielleicht.

Albumkritik S. 97

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