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Stereolab: Pop vom Kampfstern Politica

Vor Stereolab gibt es McCarthy, und wir müssen zunächst über diese Gruppe reden, sie war zu wichtig, um sie unter den Tisch fallen zu lassen. Zumal ihre Geschichte auch etwas über die Ursprünge von Stereolab erzählt. Malcolm Eden, Tim Gane, John Williamson und Gary Baker gründen McCarthy 1984 in Barking, weit im Osten von London. Bis in die 70er-Jahre hinein ist der Stadtteil stark von der Industrie geprägt, das Themse-Ufer zieht Betriebe an, die Menschen arbeiten in den Docks oder pendeln nach London. Ihr Zuhause finden viele der Leute in Becontree, einer riesigen Siedlung von Reihenhäusern, errichtet von der Stadt, um den Londoner Familien günstigen Wohnraum zu bieten. Barking steht damit zunächst fest auf den Säulen des früher einmal starken britischen Sozialstaates.

Margaret Thatchers eiserner Besen

Als sich die vier Schüler erstmals treffen, ist das Solidaritätsprinzip aber bereits von Rost durchsetzt, in Barking wie überall sonst im Königreich. Seit fünf Jahren regiert Margaret Thatcher, sie dominiert ihre Konservative Partei, reißt das Land an sich. Ab 1984 fegt sie mit ihrem eisernen Besen durch Großbritannien: Als die Bergarbeiter streiken, um für mehr Mitbestimmung zu kämpfen, zeigt sie sich stur, nennt die Gewerkschaften „Feinde des Inneren“, bekämpft sie mit der Polizei und gewinnt die Machtprobe, weil den Streikenden irgendwann das Geld ausgeht. Thatcher rächt sich für den Aufruhr, indem sie Gesetze auf den Weg bringt, die das Recht der Gewerkschaften aushöhlen, was schließlich dazu führt, dass die „Unions“ dramatisch an Mitgliedern verlieren und Dutzende ehemals staatliche Unternehmen privatisiert werden.

In Barking entwickelt sich eine junge Szene, die Politik und Pop zusammendenkt. Als Impulsgeber fungiert weiterhin der Punk, die rohe Energie der Sex Pistols, vor allem aber die Informiertheit von The Clash, deren Album SANDINISTA! nicht nur wegen der Musik gehört wird, sondern auch wegen der Texte. Die Kritik an der US-amerikanischen Außenpolitik in „Washington Bullets“, der Antimilitarismus von „Thee Call Up“, der Verweis auf die nicaraguanischen Sozialisten von der Sandinista National Liberation Front – das Album zu hören, ist wie Zeitung zu lesen.

„The enemies within“

Malcolm Eden, Tim Gane, John Williamson und Gary Baker nennen ihre Band McCarthy, in Erinnerung an Joseph McCarthy, den republikanischen Politiker in den USA, der in den 50er-Jahren nicht müde wird, zu schwadronieren, die Nation werde von Sozialisten, Kommunisten und russischen Spionen durchsetzt – und könne sich nur wehren, indem sie jeden einzelnen Linksdenkenden denunziert. Gerne spricht er von den „Enemies within“, er gibt damit Thatcher die Vorlage für ihren Kampfbegriff gegen die Gewerkschaften.



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