Highlight: 25 Jahre „Definitely Maybe“: 11 Fakten über das Artwork des Oasis-Debüts

ME.HELDEN

Supersonic Rock’n’Roll Stars Live Forever: Wie Oasis mit „DEFINITELY MAYBE“ die Könige des Britpop wurden

Die zweite Single „Shakermaker“ überholte den Vorgänger um 20 Plätze in der Hitliste und zog den ersten Rechtsstreit nach sich. Noel hatte die Strophenmelodie vom New-Seekers- Hit „I’d Like To Teach The World To Sing“ gestohlen, einem Klassiker, der der britischen Öffentlichkeit seit seiner Verwendung in einem Coca-Cola-Werbespot 1972 bekannt war. Oasis mussten den Songwritern eine sechsstellige Pfundsumme bezahlen. Zwei Jahre später griff die Tribute-Band No Way Sis den Fall auf und erzielte einen Top-40-Erfolg mit einem Mash-up aus beiden Stücken, in dessen Refrain sie den in den frühen Neunzigern gültigen Coke-Slogan: „You can’t beat the real thing“ sangen. Noel lobte No Way Sis als „zweitbeste Band der Welt“.

Im August 1994 erschien „Live Forever“ – präzise geplant, denn die Band hatte den Song bereits seit einem Jahr im Live-Repertoire und wusste, dass er ein Publikumsliebling war. Alan McGee erinnert sich an den Moment, in dem Noel ihm zum ersten Mal den Song vorspielte als „den größten Augenblick, den ich jemals mit dieser Band hatte“. In drei Wochen stand der Veröffentlichungstag von DEFINITELY MAYBE an. Die Platte sollte nicht ohne Top-Ten-Hit im Vorfeld auf den Markt kommen. Mit dem vom Stones-Klassiker „Shine A Light“ inspirierten „Live Forever“ – mit John Lennons Geburtshaus auf dem Cover – knackten sie die oberen Zehn. In derselben Woche stürmte ein Fan während eines Konzerts in Newcastle auf die Bühne und schlug Noel ins Gesicht. Der revanchierte sich mit einem Gitarrenhieb. Liam schritt ein und prügelte auf den Störer, bis die Band von der Bühne gezerrt wurde. Das Konzert wurde abgebrochen. Flaschen flogen und Fans zerschmetterten die Fenster vom Tourbus. Wieder Schlagzeilen. Oasis waren der britischen Öffentlichkeit ein Begriff, noch bevor ihr erstes Album erschien. Als DEFINITELY MAYBE dann am 30. August in den Läden stand, gab es kein Halten mehr. Die Platte verkaufte sich in ihrer ersten Marktwoche häufiger als jedes andere Debütalbum zuvor in den britischen Charts. Mit 86 000 Verkäufen hängte sie sogar ein von einer millionenschweren TV-Kampagne begleitetes Livealbum der Drei Tenöre, sinnbildlich für den Geschmack des kaufkräftigen Establishments, ab.

Eigentlich hätte die Geschichte von Oasis nach „Cigarettes & Alcohol“ enden können

Als letzte Single wurde die Underdog- Hymne „Cigarettes & Alcohol“ ausgekoppelt. „Is it worth the aggravation to find yourself a job when there’s nothing worth working for?“, sang Liam da und der von Thatcher, Arbeitslosigkeit und kultureller Orientierungslosigkeit verwirrten bis traumatisierten britischen Jugend aus der Seele. Mit diesem Song im Ohr ging man erhobenen Hauptes und mit geballter Faust in der Tasche zum Amt, um sich sein Arbeitslosengeld abzuholen. Und eigentlich hätte die Geschichte von Oasis hier enden können. Immer wieder betonte Noel später, dass er nach „Rock’n’Roll Star“, „Live Forever“ und „Cigarettes & Alcohol“ nichts mehr zu sagen gehabt hätte und sich seither wiederholen würde. Dass es etwas anderes sei, wenn man „Tonight I’m a Rock’n’Roll Star“ singt und noch keiner ist, als wenn man diese Zeile ab dem Sommer 1995 als selbstverständlicher Headliner der größten Festivals der Welt zum Besten gibt. Die Inspiration war dahin. Der Ausbruch war geschafft. Die Straßen Manchesters lagen hinter ihnen.

Immerhin reichte Noels Synonymie-Talent noch für MORNING GLORY, sein zweites Meisterwerk. Dann begann der lange Abstieg. Die Interviews wurden wichtiger als die Musik. Zwölf Jahre hoffte man, dass Oasis noch mal so viel bedeuten könnten wie in der Zeit von 1994 bis 1997. Doch indirekt taten sie das auch: Denn ohne sie keine Libertines, keine Arctic Monkeys, keine Strokes, keine Kasabian. „Als wir damals auf den Plan traten, wollten wir nichts anderes als die Welt verändern“, sagte Noel Gallagher. Wer DEFINITELY MAYBE auch nach 25 Jahren zum ersten Mal hört, weiß, wie so etwas zu klingen hat.

Dieser Text erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 06/2014, damals zum Anlass „20 Jahre DEFINITELY MAYBE“:

 

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