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ME.HELDEN

Supersonic Rock’n’Roll Stars Live Forever: Wie Oasis mit „DEFINITELY MAYBE“ die Könige des Britpop wurden

Aktuelle Freizeitmode in der Popkultur: sich dosenbierbepackte Freunde nach Hause einladen und Oasis-DVDs schauen – allerdings ausschließlich mit aktiviertem Audiokommentar der Band. Ende 2013 stellte Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ einen Rekord als Spielfilm mit der häufigsten Nennung des Worts „Fuck“ auf: 569 Mal kam das Four-Letter-Word zum Einsatz. Kenner der optionalen Tonspur zum Oasis-Tourfilm „Lord Don’t Slow Me Down“ zuckten da nur mit den Schultern: Stark amüsiert und mit beneidenswerter Bandbreite derbster Flüche ausgestattet, bespricht die Gruppe hier ihren eigenen Film und macht aus einer vorhersehbaren Dokumentation mit mäßig lustigen Backstage-Aufnahmen und langen Szenen auf US-Highways ein Erlebnis, bei dem weder Auge noch Hose trocken bleiben. Diese Band gelangte mit notorischer Selbstüberschätzung zu Weltruhm. Aber Oasis wissen auch, wie sie sich durch den Kakao ziehen müssen. Das demonstriert der Kopf der Gruppe, Noel Gallagher, auch im Audiokommentar der alle Oasis-Videos versammelnden DVD zur Singles-Sammlung TIME FLIES … 1994 – 2009: „Was habe ich denn da an? Ich seh’ ja aus wie Scheiß-Columbo!“, raunzt er bei Sichtung des ersten Clips der Band, „Supersonic“. Zu „Live Forever“ fällt ihm ein: „Der Regisseur schlägt also vor, in der nächsten Szene das Schlagzeug zu begraben. Worauf ich ihn frage: ‚Warum begraben wir denn nicht gleich den Schlagzeuger?‘ Da sagt der Typ: ‚Oh ja! Ja, ja, lass uns den Schlagzeuger begraben!‘ Und ich dachte mir: ‚Okay, so läuft das also mit den Videos. Du schlägst willkürlichen Nonsens vor und irgendjemand filmt’s … Haha, leck’ mich doch.‘“ Jahrelang wurde mit großen Augen über den Clip gesprochen, über seine prophetische Aussage gestaunt, da bald nach Drehschluss der Drummer Tony McCarroll gefeuert wurde. Und dann lässt Noel der Ehrfurcht vor ihm, die er selbst emsig genährt hat, mit ein paar Stammtischsätzen die Luft heraus.

Noel Gallagher, Leadgitarrist und in den entscheidenden Jahren alleiniger Songwriter von Oasis, hält seine Anziehungskraft seit Jahren mit mal verletzenden, meist klarsichtigen, stets aber unterhaltsamen Sprüchen am Leben. Nicht umsonst fragte der „NME“ auf dem 2009er-Titel seiner Ausgabe, in der das letzte Oasis-Album DIG OUT YOUR SOUL besprochen wurde, groß, ob die Platte „as good as the interviews?“ sei. Jeder wusste die Antwort. Seit Jahren schon löste die Ankündigung einer neuen Platte der Band mehrheitlich Vorfreude auf die anstehenden Geschichten in den Medien aus. Die Musik verkam zur Nebensache. Vor 25 Jahren war das anders. Vor 25 Jahren stimmte alles: die Musik, die Leute dahinter, deren Ansichten, deren Provokationen, deren Philosophie, ihre Frisuren und Klamotten. Vor 25 Jahren erschien DEFINITELY MAYBE, das erste Album der Band. Und es war eins dieser Alben, von denen man, ohne es umgehend zu bereuen, behaupten kann, dass sie die Welt verändert haben. Und zwar zum Positiven. Darum ging es.

Oasis live 1994

Die Britpop-Bewegung, bereits 1991 von Suede und Blur losgetreten, war im Ursprung eine Kampfansage an die von US-Musik dominierten Charts des Vereinigten Königreichs, insbesondere an den trübsinnigen Grunge. Gerne wird behauptet, „Live Forever“ sei als direkte Antwort auf Kurt Cobains „I Hate Myself And Want To Die“ geschrieben worden. Obwohl dem nicht so ist – Noel war großer Nirvana-Fan –, sieht Gallagher eine klare Verbindung zwischen den beiden Stücken: „Ich brauche echt keinen Heroin-Junkie, der hierherkommt und heult, dass er sich hasst und sterben will. So ein Mist. Sollen sich Kids etwa so was anhören?“ Gallagher sah sein Leben anders: „Da war also dieser Typ, der alles hatte und genau das machte ihn fertig. Wir hatten einen Scheiß und dennoch war für mich morgens das Aufstehen das verdammt noch mal Beste auf der Welt – allein schon, weil du nie wusstest, wo dieser Tag enden wird.“

„In Manchester steht man nach der Schule am Scheideweg: Fußballer, Fabrikarbeiter oder Drogendealer“

Bevor er zu Oasis stieß, schlug Gallagher sich eher schlecht als recht durchs Leben. Als mittleres von drei Kindern einer Arbeiterfamilie aus Manchester und mit einem prügelnden Alkoholikervater gestraft, geriet er früh auf die schiefe Bahn. Im Alter von dreizehn Jahren überfiel er einen Eckladen, mit 15 flog er nach Jahren des Unterrichtschwänzens von der Schule, nachdem er einen Lehrer mit einem Sack Mehl beworfen hatte. „In Manchester steht man nach der Schule am Scheideweg: Fußballer, Fabrikarbeiter oder Drogendealer“, sagt er. Noel nahm Gelegenheitsjobs an, um über die Runden zu kommen: mal jobbte er als Bäckergehilfe, mal als Aquarienbauer. Die meiste Zeit seiner Teenagerjahre verbrachte er auf seinem Bett, wo er an den Songs arbeitete, die zehn Jahre darauf zu Volksliedern werden sollten. 1983 hatte er den ersten Auftritt der Smiths bei „Top Of The Pops“ gesehen und wusste, was er werden wollte: Johnny Marr.

Eine erste wirkliche Perspektive tat sich ihm auf, als er 1988 auf einem Stone-Roses- Konzert Graham Lambert, den Gitarristen der damals ziemlich erfolgreichen Manchester Psychedelic-Rocker Inspiral Carpets, kennenlernte. Als deren Sänger Stephen Holt ausstieg, bewarb sich Noel als Nachfolger. Zwar wurde er abgelehnt, immerhin aber als Roadie ins Team aufgenommen. Gallagher freundete sich mit dem Tontechniker der Carpets an und bastelte bald mit ihm an ersten Demos. Parallel zu seinem Eintritt in die Musikwelt spielte sein kleiner Bruder Liam mit der nach einer Beatles-B-Seite benannten Band The Rain auf kleinen Bühnen.

Steve Eichner WireImage

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