True-Story-Songs: 7 Hits, die auf wahren Ereignissen basieren
Von U2 über Tori Amos bis hin zu Eric Clapton – die wahren Geschichten hinter den Hits.
Dass die Wahrheit in diesem Jahrzehnt zu einer biegsamen Auslegungssache geworden ist, schmerzt. Wir suchen die Echtheit daher in der Kunst.
Sieben reale Geschichten in der Poplyrik.
01. Tic Tac Toe: „Warum?“ (1997)
„Nur für den Kick, für den Augenblick?“ – wer sich an Raucherbereiche auf Schulhöfen erinnert, erinnert sich auch an diesen Reim. Den Drogentod einer Freundin der Bandmitglieder nahm Texter und Komponist Torsten Börger zum Anlass, der als lustig-frech bekannten Girl Group einen ernsthaften Song über Freundschaft, Absturz in Sucht und Prostitution zu schreiben.
Es wurde eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Singles der 1990er – unvergessen das laute Schluchzen am Schluss.
02. U2: „Sunday Bloody Sunday“ (1983)
„I can’t believe the news today“, singt Bono und äußert sich mit seiner Dubliner Band mitten im Nordirlandkonflikt unverhohlen politisch.
Elf Jahre zuvor, am „Blutsonntag“ im Januar 1972, hatten britische Fallschirmjäger in der nordirischen Stadt Derry 13 Demonstranten erschossen und weitere verletzt – sie hatten unerlaubt für Bürgerrechte und gegen die britische Internierung von Katholiken demonstriert. Das Ereignis führte zur Eskalation des Nordirlandkonflikts, der erst 1998 endete.
03. Mobylettes: „Roy“ (1995)
Oktober 1991, Deutschland unter Schock: Schlagersänger und Schauspieler Roy Black stirbt mit nur 48 Jahren – allein in seiner Fischerhütte, drei Promille im Blut. Anlass für Diana Diamond, scharfsinnige Liedtexterin und Sängerin der Mobylettes, mit dem Schlagergeschäft ebenso hart ins Gericht zu gehen wie mit Roy Black selbst.
Dieser hatte ursprünglich eine Karriere als Rockmusiker angestrebt: „Über ‚Ganz in Weiß‘ hast du selbst gelacht, doch für ‚Rock Around The Clock‘ warst du zu schwach … Roy, du hast nie an dich geglaubt, du hast dich und deine Nietenjeans verkauft.“ Eine bittersüße Hymne voll unbequemer Wahrheit.
04. Erste Allgemeine Verunsicherung: „Burli“ (1987)
Als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl 1986 komponierte die EAV „Burli“: eine leicht klingende, aber ätzende Satire über eine mögliche Auswirkung des Unglücks – Deformationen bei Neugeborenen.
Der von einem Kinderchor unterstützte Elektropopsong wurde wegen angeblicher Behindertenfeindlichkeit („an jeder Hand zehn Finger, und Hände hat er vier, keiner spielt so schnell Klavier“) von einigen Radiosendern nicht gespielt. Ein Hit wurde er trotzdem.
05. Eric Clapton: „Tears in Heaven“ (1991)
„Tears in Heaven“ widmete Eric Clapton seinem Sohn Conor, der 1991 mit vier Jahren aus einem New Yorker Hochhausfenster in den Tod gestürzt war.
Wie der britische Musiker es nur wenige Monate nach dem Unglück schaffen konnte, die Erfahrung in einen Song zu überführen, der noch heute universal anrührt, übersteigt das Vorstellungsvermögen.
06. Tori Amos: „Me And A Gun“ (1991)
Die schonungslose Auseinandersetzung mit einer erlebten Vergewaltigung: Das fordernde A-cappella-Stück hatte Amos trotz seiner Sperrigkeit als erste Single ihres Debütalbums ausgewählt. Sie sang es jahrelang auf jedem Konzert – ein starkes und mutiges Signal in einer männerdominierten Musikszene.
Eine Reihe intensiver Alben folgte und machte Tori Amos in den 1990ern und Nullerjahren zur feministischen Ikone – nicht nur von Frauen und queeren Fans.
07. The Boomtown Rats: „I Don’t Like Mondays“ (1979)
Düsterer Anlass: der Amoklauf der 16-jährigen Brenda Ann Spencer aus San Diego. Diese hatte 1979 aus ihrem Schlafzimmerfenster auf Kinder geschossen, die vor der gegenüberliegenden Grundschule warteten.
Dabei tötete sie den Schulleiter und den Hausmeister; ein Polizist und acht Schüler:innen wurden verletzt. Nach ihrem Motiv befragt, sagte Spencer: „I don’t like Mondays. This livens up the day.“ Sie sitzt bis heute im Gefängnis.







