„Wenn sie Songs schreiben, finde ich Radiohead super“


Die mal alternativen, mal ziemlich klassischen und vor allem in Großbritannien beliebten Rocker The Hold Steady aus New York schauen nicht nur bei den eigenen Stücken auf die Texte – und darauf, dass es möglichst „musikalisch“ bleibt, Herr Yorke!

The Band

„The Weight“

Craig Finn: (nach drei Sekunden) Ja, das kennen wir. Tad und ich lebten 2002 in New York, und „The Last Waltz“ (Martin Scorseses Film über das letzte The-Band-Konzert – Anm. d. Red.) kam gerade wieder ins Kino. Der Moment, in dem sie mit den Staple Singers spielen, das definiert The Band für mich. Man hatte den Eindruck, als ob Levon Helm und die anderen nichts in der Welt lieber machen würden, als in dieser Band zu sein. Das war eine der Hauptinspirationen für die Gründung von The Hold Steady.

Hüsker Dü

„Celebrated Summer“

Craig: Zu diesem Song habe ich zum ersten Mal gestagedived. Unser Song „Constructive Summer“ ist eine Hommage an diesen Song, vor allem was den Text und den Titel angeht. „Hang out on the beach, playing in a band, getting out of school meant getting out of hand“ – das sind super Zeilen, wenn du ein Teenager bist.

R.E.M.

„Discoverer“

Craig: R.E.M.! Das ist einer der neuen Songs, richtig? Ich liebe diese Band, und ihre neue Platte ist bestimmt auch wieder gut, ich habe sie noch nicht gehört. Ich glaube, dass, wenn sie sich wie meine anderen Lieblingsbands aufgelöst hätten, ich sie noch viel mehr zu schätzen wüsste. So gibt es sie jetzt schon so lange, und sie machen immer noch gute Musik, aber man hält das für selbstverständlich, und das ist schade.

Against Me!

„Teenage Anarchist“

Craig: Ich mag ihre neuen Sachen lieber als das frühe DIY-Punk-Zeug. Das hier ist weniger … lärmig.

Ich hatte immer den Eindruck, dass The Hold Steady vom Punkrock Ideen und Ideale wie Zusammengehörigkeit übernommen haben.

Craig: Das könnte man annehmen, aber eigentlich zählten diese Werte in der Szene von Minneapolis, wo ich aufgewachsen bin, nicht. Natürlich wurde oft davon gesungen, aber Punk-Szenen finden immer einen Weg, Cliquen zu bilden. Da sitzt dann ein Haufen Punks in einem Raum, und auf einmal fangen sie an, Regeln aufzustellen, und du denkst: „Moment mal – ich dachte, hier kann jeder mitmachen?“ Doch auf einmal musst du aufpassen, welchen Aufnäher du dir wohin steckst.

Radiohead

„Lotus Flower“

Craig: (Nach einer Minute Beats ohne Gesang) Ich habe einen Verdacht … Ist das gerade eben herausgekommen? Radiohead?

Richtig.

Tad Kubler: Damals (nach einem Interview mit der BBC im Jahr 2008, in dem Kubler behauptete, Radiohead hätten „den Faden verloren“ – Anm. d. Red.) hieß es: „Tad Kubler lästert über Radiohead.“ Thom Yorke hat da vermutlich gerade seine Millionen gezählt und sich gesagt: „Sorry, aber wer zum Teufel ist Tad Kubler?“ Wenn sie richtige Songs schreiben, finde ich Radiohead super, aber dieses Klick-Piep-Klick-Ding, das sie heute machen, finde ich einfach nicht besonders musikalisch. Das ist Musik, die du bei einer Cocktailparty auflegst.

Craig: Mein zweiter Tipp wäre James Blake gewesen – aber dann habe ich Thom Yorkes Stimme erkannt.

The Replacements

„Unsatisfied“

Craig: (schwärmerisch) Ah! Das ist ein ganz wichtiger Song von meiner absoluten Lieblingsplatte, Let It Be. Was mich an dem Lied so berührt, ist, dass es trotz der Trauer und der Frustration, die darin beschrieben wird, auf derselben LP-Seite nur ein paar Minuten neben „Gary’s Got A Boner“ steht. Das machte die Replacements so interessant: Sie konnten jungenhaft und fucked-up sein, aber eben auch solche emotionalen Songs schreiben.

Thin Lizzy

„Still In Love With You“

Dieser Song ist hauptsächlich wegen Gary Moores Solo bekannt.

Tad: „Still In Love With You“! Der ist kürzlich gestorben, stimmt. Er hatte nach Thin Lizzy dieses G-Force-Projekt und war generell eher auf der Metal- und Prog-Schiene. Heutzutage sind Soli ja nicht mehr sonderlich cool. Manchmal, wenn wir einen Song spielen, in dem ein Solo vorkommt, merke ich, wie Leute auf die Uhr gucken und denken: „Okay, jetzt spielt endlich den nächsten Refrain!“ Mein Lieblings-Lizzy-Gitarrist ist Eric Bell, und mein Lieblings-Lineup war das mit Scott Gorham und Brian Robertson, in der Live And Dangerous-Ära.

Gustavo Santaolalla

„The Wings“

Tad: Das gefällt mir sehr gut. Aber wer ist das?

Das ist Gustavo Santaolalla. Er hat die Musik zu Filmen wie „Brokeback Mountain“ und „Biutiful“ komponiert. Das hier ist auch aus „Brokeback Mountain“.

Tad: Ich habe schon länger sehr genau auf die Hintergrundmusik bei Filmen geachtet, also die Soundtrack-Kompositionen, und während der Aufnahmen zu Heaven Is Whenever habe ich viel Filmmusik gehört. Bei The Hold Steady ist es ja ähnlich wie mit Filmen: Craig erzählt Geschichten, und wir untermalen sie. Auf dieser letzten Tour habe ich viel mit meinem iPhone gefilmt, das hat so eine Super-8-Film-App. Diese Aufnahmen werde ich mit nach Hause nehmen und Musik drunter legen. Da freue ich mich schon drauf.